„Vielleicht besinnt sich dann nach solchen Erschütterungen Deutschland auf seine wahre Aufgabe”, meinte der Konsul.

„Worin bestände diese Aufgabe? Doch wohl in der Heranzüchtung einer strammen Menschenrasse?! Ich habe neulich wieder einmal eine größere Parade mitgemacht — Donnerwetter, es ist doch ein großartiges Schauspiel! In Tausende von Menschen gesetzmäßige Bewegung zu bringen, daß alles klappt wie ein Uhrwerk — was für Arbeit! Und Drill! Und Zucht! Großartig!”

„Schon die alten Römer leisteten hierin Großartiges”, bemerkte der Konsul bedenklich. „Ich meine aber mehr Deutschlands seelische Aufgaben unter den Völkern Europas. Darin sind wir verarmt und bedeuten kein führend Volk mehr.”

„Sie meinen die Zersetzung der Religion?”

„So ungefähr. Hier hat der nervöse moderne Intellekt unser Gemütsleben tief geschädigt. Wenn man dieses Weimar so betrachtet — sollte man für wahr halten, daß es erst hundert Jahre her sind, seit sich hier so schöne und große Wahrheiten dichterisch offenbart haben?”

„Na, mein wertester Herr Konsul, in Deutschland haben wir unsren Schiller und Goethe noch immer im Bücherschrank. Im übrigen sind wir jetzt im Zeitalter Bismarcks und haben eiserne Aufgaben zu lösen.”

„Auf Kosten der Seele?”

„Was heißt Seele!”

„Was Seele heißt?”

„Die Seele braucht doch vor allen Dingen einen gesunden Körper, Zucht, Strammheit.”