Zwölftes Kapitel
Der Gutsherr
Sehnsucht ins Ferne, Künft'ge zu beschwichtigen,
Beschäftige dich heut' und hier im Tüchtigen!
Goethe
Z eitenwende bereitet sich vor.
Einzelne Wandrer haben sich abgesondert vom Zeitgeist. Sie suchen untereinander Fühlung. Sie bilden eine heimliche Gemeinde der Ernsten und Stillen. Ihr heiliger Hain ist umschirmt von schwarzen Zypressen. Im Innern aber tragen Fruchtbäume rote und goldne Gaben.
Diese Abgesonderten formen langsam das neue Lebens- und Bildungsideal.
Der Spielmann und Gralsucher Ingo von Stein hatte sich nach jenem Wartburgtage dieser unsichtbaren Gemeinde angeschlossen. Sie ist nicht geformt, diese Gemeinde; sie hat weder Satzung noch Rang und Titel. Doch erkennen sich die Begegnenden daran, daß sie, ohne Hast und Unrast, mit einem stillen und starken Herzen Welt und Ewigkeit erleben und verarbeiten. Das kostbare Gut der Ruhe ist ihnen eigen: die Ruhe der gesammelten Kraft. Und ihre Lebensformen sind edel und einfach.
In ihren Tiefen ist Gebet. Sie glauben nicht mehr an den Verstand, sondern an etwas Umfassenderes: an die Gottheit. Nicht sind sie beherrscht vom Willen zur Macht, sondern von einer größeren Kraft: vom Willen zur Liebe. Mit schöpferischer Liebeswärme erobern sie von innen her. Und ihre Gangart ist still und stetig. Denn sie wissen, was sie wollen: Selbstbesinnung. Aus der Selbstbesinnung aber auf edelste Kräfte erwächst die neugestaltende Tat. Auch fehlt ihnen nicht das Arbeitsfeld: denn sie fangen ihr Gestaltungswerk mit sich selber an.