„Um das ganze Haus wird sich im Halbkreis oder in Eiform ein kleines Gitter ziehen, das innerhalb des Parkes den Hausbezirk noch einmal umfriedet. Sinnvolle Blumenanlagen und Statuen werden sich diese Umfriedung entlangziehen. Am linken Flügel mündet der Fahrweg ein, läuft vor den Haupteingang und dann am rechten Flügel wieder hinaus zu den Wirtschaftsgebäuden, führt also ungefähr am inneren Gitter entlang, wo die Statuen grüßen, die gleichsam das Ganze umwachen.”
„Und was steht hier über der Eingangspforte?”
„Dort ist in der höchsten Mitte des Steinbogens ein steinernes Kreuz; darum ein Kranz von sieben Rosen, vier unterhalb, drei über dem Querbalken; die mittlere dieser drei oberen Rosen ist angeheftet am Stamm. Unter diesem Rosenkreuz ist eine Marmortafel, darauf in Goldschrift folgende Worte:
„Hier ragt in Stein das Zeichen edler Großen,
Und diesem Zeichen sei das Haus geweiht:
Haus Waldeck steht im Bann von Kreuz und Rosen,
Von heitrem Ernst, von ernster Heiterkeit.
Und wer des Zeichens tiefren Sinn erfaßt,
Der sei willkommen als erles'ner Gast.”
Es war dunkel geworden. Aber das geheimnisvolle Schneelicht und ein blauer Nachthimmel mit vielen Sternen ließen es nicht ganz finster werden.
Die glücklichen Liebenden kosteten so recht die traute Wärme dieser Schummerstunde. Und es war schwer zu entscheiden, was ihnen inniger am Herzen lag: diese Pläne selber oder die Wonne des gemeinsamen Plänemachens, in dem sich ja symbolisch nur wieder ihr eigenes tiefstes Lieben oder Sehnen aussprach.
Er setzte sich in den Schaukelstuhl; sein Weib schmiegte sich auf seine Kniee und in seine Arme. Warm und nahe gingen ihres Busens Atemzüge. Man hörte nur das Ticken der Uhr. Und sie träumten in die erhabene Winternacht.
Um Park und Haus erhoben sich rechts und links Tannenberge; aber die vordere Seite war weithin offen; und erst ganz fern schloß sich der Horizont durch die zart geschwungene Linie bewaldeter Hügel. Man konnte dort an hellen Tagen eine Lücke unterscheiden, und in der Lücke eine Bergstraße, die hinausführte in neue Länder und Weiten. Dorthin schaute der Gutsherr oft und gern. Denn nicht ganz verklungen war die Melodie der Sehnsucht, die ihn einst hinausgetrieben hatte, der Ferndrang, das Iphigenien-Heimweh am Ufer von Tauris. Aber ihn durchdrang die männlich-sichere Empfindung: jene Schönheit auf dem Rivierahügel, jene Geister vom Montserrat — sie sind nicht draußen, sie sind nahe bei mir und in mir; ich habe die weite Welt hereingeholt in die erweiterte Enge.
„Kreuz und Rosen”, sagte Frau Elisabeth träumerisch, ihren Gatten umrankend wie ein Rosenzweig. „Ist es nicht Verklärung des Lebens durch die Liebe? Oder was ist des Zeichens tieferer Sinn?”
„Das werden wir alles noch verstehen lernen, Elisabeth.”