Im Lande der Trauer gedeiht keine Frucht,
Da rieselt und seufzt in vertrockneter Schlucht
Nur traurig ein Tropfen zum andern;
Da starrt in gläserne Luft das Laub,
Kein Wind scheucht unter den Sohlen den Staub,
Wenn es dich lüstet, zu wandern.

Und sucht die Flöte den Freudenton,
So schleicht sich der Laut wie ein Dieb davon;
Auch sind keine Mädchen zum Tanzen.
Die Ritter reiten verdrossen vorbei,
Sie fragen umsonst, wo Großtat sei;
Der Rost sitzt an den Lanzen.

Doch sprengt Frau Freude die Hügel hinan
Auf weißem Roß, mit Schellen dran,
So weiß sie die Sonne zu geben!
Schon jauchzte die Flöte, das Mädchen sprang,
Es reift die Tat und die Frucht am Hang —
Und heilig wird wieder das Leben!

Wäre mein Leben tatengroß und heilig, liebes Fräulein! Ich habe mich leicht geschwatzt und heiter gereimt, holdes Mädchen! Weltschmerz hat nie lange Raum in meiner Seele, ich räuchre und reime und klimpre den Kerl wieder hinaus. Haben Sie Dank, daß Sie zugehört haben! Ich beherberge in mir die phantastische Hoffnung, daß uns in Lourdes — wenn wir über Carcassonne und Toulouse ankommen — irgend etwas Wundervolles erwartet: — ein Brief von Ihnen —?! Oder gar Sie selber?! ...

Närrische Welt! Ich lasse mich treiben und überraschen und beschenken. Ist ja doch alles Glück und Gnade! Gute Nacht!

Troubadour.

Nachschrift. Und kommst nicht mehr an meine Tür? Und sagst mir nicht Gute Nacht? Bist aber so ehrlich, mir am andren Morgen mit gekünsteltem Lächeln auch diesen verschwärmten Brief zu überreichen? Du hast ein übergroßes Vertrauen zu mir, liebster Freund, und hältst mich für stark und hochherzig. Ich bin's aber nicht. Mein Herz möchte dich glücklich sehen, aber mein Herz weint. Ich kann auch diese immer unverhülltere Werbung nicht gutheißen. Ich lege den Brief zu den andern.

Eleonore.