Immer ernster wird meine Stimmung nach den Schwärmereien der Provence. Ich bin in diesem Augenblick noch unentschlossen, ob ich Ihnen, meine Damen, bei Ihrem gänzlichen Stillschweigen diese weiteren Blätter senden darf und will. Frau Eleonorens bewährter Takt mag darüber entscheiden.

Mit Spannung bin ich hier in Lourdes auf das Postamt gelaufen; hoffte bestimmt, ein Lebenszeichen, einen Gruß, einen Dank von Ihnen zu finden — fand aber nur eine Karte von Schaller: „Meine Nichten sind hier in Barcelona — wann kommen Sie?”

Und kein Gruß von Ihnen. Keine Unterschrift.

Das ist alles.

Das ist der ganze Widerhall. Meine Briefe haben nichts in Ihnen geweckt.

Nun, hier in Lourdes ist nicht Zeit und Ort, einem Verdruß nachzugeben. Ich bin sogar ungalant genug, Ihnen zu bekennen, daß hier zwei andre Damen im Brennpunkt meiner Teilnahme stehen: die kleine Seherin Bernadette Soubirou und die Madonna der Grotte ...

... Ich bin voll von diesem Abend in Lourdes. In mein Zimmer herauf rauschen die Wasser der Gave — die Nacht ist feierlich still — einzelne Sterne leuchten — und die großen grauen Pyrenäenberge umstehen das Tal in festlicher Hoheit.

Bei beginnender Nacht betrat ich den Platz vor der Kirche. Welche Raumbehandlung! Alles stumm, kaum ein Spaziergänger; die Lichter zittern und funkeln, abgemessen verteilt; und von selbst finde ich den Weg zur Grotte, nachdem ich erst vor dem gekrönten Jungfrauenbild auf dem Platz haltgemacht.

Vor der Grotte sind eine Anzahl nächtlicher Beter versammelt. Alles schweigt, kniet, betet. Neben mir liegt auf dem Pflaster ein Mönch, fern von den andren, hinter den andren; zum Schluß neigt er sich und küßt die Erde. Mehr als hundert Kerzen flammen in der Grotte, eine Pyramide von Lichtern, zu dem Bild empor, das dort oben rechts in weißem Gewand und blauem Gürtel steht, genau an der Stelle, wo die Gestalt durch Bernadette gesehen worden.