„Laß sie gaffen, du bist süß, sie werden sich alle verlieben! Zwei junge Spanier werden sich deinetwegen erdolchen, es wird ein Duell geben mit zehnmaligem Kugelwechsel, heute nacht reißen die Katzen aus vor den vielen Serenaden — und ich gieße den Sängern Wasser über den Kopf.”

„Glaubst du, daß sie Reden halten auf — auf ihn und mich?”

„Natürlich! Dann sagst du ganz einfach gracias oder merci beaucoup und nickst ein klein wenig mit dem Kopf — aber nur ein wenig, vornehm — siehst du, ungefähr so!”

Die Kleine gab ein vorbildliches, gnädig herablassendes Kopfnicken zum besten, wobei ihr der Augenaufschlag meisterlich gelang. Aber die schwerblütige Martha schaute mit ihren wundervollen Blau-Augen ratlos in die Welt und war nicht in Stimmung zu bringen.

Zu gleicher Zeit lustwandelte der Herr des Hauses, in Frack und brasilianischem Orden, zwischen seiner blaß-vornehmen Stiefmutter und der bürgerlich-ehrbaren Witwe Frank-Dubois, die immer in schwarzer Kleidung ging. Sie schritten stattlich unter Fächerpalmen auf und ab. Ein springender Strahl rieselte und raunte auch dort; und im runden Becken flimmerten rote Fische. Es lag hochzeitlicher Glanz in der abendlich rosigen Luft; die Welt war voll Farben; auf Palmenkronen wiegten sich Genien mit Schmetterlingsflügeln und gaukelten abwechselnd um die Gespräche der Alten und das Zwitschern der Jungen. Selbst die kleinen bärtigen Gnomen, die Geister des Goldes, die sonst schwere Säcke schleppten, feierten heute, saßen unter Tropfsteingebilden und kämmten sich gegenseitig die Bärte.

In den Worten und Gebärden der hier wandelnden Erdenbürger war satte Sicherheit. Sie fühlten sich nicht heimgesucht von irgendwelchem Hunger nach Unendlichem. Das Rätsel des Daseins hatte sie nie bekümmert. Eine erhebliche Rente in Gewahrsam zu bringen, genügte als Lebensziel. Wobei sie Arbeitsamkeit, Ordnungssinn und andere bürgerliche Tugenden zu achtenswerter Entfaltung brachten.

„Jetzt bin ich über die Zukunft meiner Tochter doch einigermaßen beruhigt”, versicherte Frau Frank-Dubois. „Mit ihr selber wird es sich schon ganz gut machen, denn sie ist ja sparsam und häuslich und versteht den Haushalt. Die Schule ist ihr halt schwer geworden; aber sie hat, was sie an Schulbildung braucht. Es ist eine stille Natur; mein seliger Mann war auch so ein Stiller, sie hat's von ihm.”

„Das Mädel wird's wie eine Prinzessin haben”, versetzte Schaller und nahm die Dame fest zugreifend unter den Arm. „Das glaube ich Ihnen versichern zu dürfen. Also wenn ihr beide einverstanden seid, so klopf' ich nach dem zweiten Gang ans Glas und mache die Sache bekannt. Ich liebe immer Überraschungen, knappe, fertige Tatsachen. Punktum!”

Er trat zu den Mädchen, legte der Jüngsten von hinten her seine großen Hände über die Augen und küßte ihre Wange.