So war Ingo auf eine neue Höhe geführt worden.

So verstanden sich Jungmann und Meister ...

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Der Einsiedlerberg Montserrat bedeutete für den Wanderer Läuterung und Einkehr. Ingo räumte in seinem Herzen den Platz frei für einen Tempelbau.

Nicht Zerknirschung in Sack und Asche lag seiner männlich-elastischen Erscheinung, der ein Mozartzopf nebst Galanteriedegen recht artig gestanden hätte, wohl aber schlichte Erkenntnis und reines Empfinden dessen, was bisher versäumt und was künftig aufzubauen war. Das Rätsel der Sphinx scheint ja so schwer und furchtbar und ist doch nichts weiter als die klare, nahe, mutige Einsicht in Wesen und Würde unsrer unsterblichen Menschenseele.

Ein tief empfundener Brief ging an Frau Friedel hinaus; ein herzlicher Gruß an Elisabeth; warme, gute Worte an Bruder und Vater. Und als ihm sein Freund, der Schriftsteller, aus nordischen Studien heraus eine Ansichtskarte sandte, ein Waldbild von Birken und Tannen, ergriff den Pilger das Heimweh nach Orgelton und Tempelstille des innig geliebten deutschen Waldes. Stand noch die Tanne vor dem alten Thüringer Herrenhause?

Die vorletzte Nacht auf dem Montserrat war wieder voll Schwermut. Wie viel gute Arbeit hatte der Wanderer auf all der Irrfahrt versäumt! Als er sich nach seiner Gewohnheit mit raschem Schwung zu Bett warf und in die Wolldecke hüllte, streifte er die halbvergessene Laute. Es klang ein Ton in die schmucklose Zelle. Da empfand er sein Leben wie ein wehmütig Märchen, dessen irrender Held immer im Zauberkreise umherwandert.

„Es war einmal ein Dümmling, der lief von Heimat und Jugendfreundin fort und rannte in wunderlichen Windungen hartnäckig einem verschleierten Frauenbild nach. Und als er endlich die ersehnte Gestalt erreicht hatte und ihr den Schleier vom Angesicht riß — wen sah er? Seine Jugendfreundin!” ...

In unerwarteter Wendung wies ihm das Schicksal den Heimweg.

Denn am neunten Tag kam eine Karte aus Genf.