Das ist der äußere Bau. Er ist nicht unsre Sache; wir werden dies der künftigen Staatskunst überlassen.

Ob das Polnische Reich wieder erstehe; ob die baltischen Provinzen von Rußland frei werden; ob von Belfort bis Lüttich und an den Kanal das Reich sich nach Westen schirmen wird, wie ja schon einmal jene Bezirke zum Weltreich Karls V. gehörten: das ist Sache der Fachleute und der Kriegsentscheidung. Jetzt ist ja noch alles flutende Völkerwandrung.

Unsre Aufgabe in dieser Schrift ist innerlicher Art.

Deutschland ist geographisch Europas Mitte. Deutschland ist, nach Hölderlins schönem Wort, der Völker heilig Herz. Zentralmächte nennt man uns jetzt schon politisch; und so werden wir etwas wie Zentralkräfte in uns entwickeln müssen. Kräfte des »Zentrums«, der Innerlichkeit: Kräfte der Herzensgenialität oder des schöpferischen deutschen Gemütes.

Das ist es also, was ich eingangs dieser Betrachtungen meinte: dem deutschen Reichskörper muß eine deutsche Reichsseele geschmiedet werden.

Des Reiches Krone wurde geprägt in zwei raschen glücklichen Kriegen; die deutsche Seelenkrone ist jetzt zu schmieden im größeren Kampf gegen halb Europa, ja die halbe Welt. Nur Kampf und Not entfalten Seelenkraft. Wir wollen es nicht spielend gewinnen: »Des Herzens Woge schäumte nicht so schön empor und würde Geist, wenn nicht der alte stumme Fels, das Schicksal, ihr entgegenstünde« (Hölderlin). Unsere seelischen Muskeln, wenn ich so sagen darf, sollen durch Widerstand geübt werden. Jeder Einzuweihende, in Eleusis oder wo es sei, mußte und muß durch Feuer und Wasser hindurch, um seines Geistes und Mutes Schulung und Stärke zu beweisen. Und so machen wir jetzt eine Einweihung durch. Wir dürfen, als eine der vielen Möglichkeiten der Betrachtung, diesen Krieg einschätzen als

Deutschlands Schulung.


Unser Sieg wird eine noch größere Aufgabe eröffnen, als dieser große Krieg.