Apotheker also!

»Ich bin nämlich ein deutscher Krieger«, sprach der eintretende Elsässer mit komisch betontem Hochdeutsch, »und verteidige das Vaterland.«

Er sah an seiner Uniform hernieder und nahm sich offenbar selber nicht ernst. Um den sinnlichen Mund war ein etwas unsicheres, fast ängstliches Lächeln, in den Augen ein Zwinkern und Blinzeln. Er hielt sich gebückt und schien immer um sich zu horchen, ob nicht jemand um den Weg sei, vor dem man die Knochen zusammennehmen müsse. Und an der niedrigen Stirn dieses unwillkommenen Besuchers sah Gustav wieder jene wohlbekannten Falten, die wie ein breites Grinsen sichtbar wurden, wenn der Spaßmacher die kleinen Augen hoch riß — dieser Spaßmacher und Lebemann, der durch sein überlegen weltmännisches Gebaren so oft den schüchternen Jungen begönnert und lüstern belehrt hatte. Wie eine Dunstwolke schob es sich in das Zimmerchen eines vornehmen Einsiedlers, der die dargebotene Hand kaum mit den Fingerspitzen berührte.

»Salut, Alterle!« wiederholte der Dicke gemütlich und nahm gleich das Fernrohr zur Hand. »Bisch, glauw' ich, wieder emol e bissel Sternegücker? Wie geht's denn allewil?«

Gustav murmelte einiges, und jener trat ans Fenster, äugelte durch das Glas, bedauerte, daß man nicht zu Bielers Fanny hinübergucken könnte und fragte blinzelnd, »wie weit« denn der Verlobte mit der »kleinen netten Mamsell Bieler« sei. Er schnalzte dabei, als ob es sich um eine besonders feine Weinsorte handelte. Und dann fuhr er fort, in seiner gemütlich-sinnlichen Art zu erzählen, daß er sich mit den Etappenoffizieren ganz gut stehe, besonders mit dem dortigen neuen Hauptmann. Mit vielen »weisch, Güschtel«, setzte er spöttelnd auseinander, das sei so ein »hungernder Agrarier aus Pelzpommern«, dem das Fell fast platze, so verstehe er sich zu mästen. Und besonders sei der Schwob »hinter de Maidle her«. Aber jetzt krache die Front bald zusammen, dann rutsche die ganze Bande über den Rhein ...

»Weisch, Güschtel, was Maidle anbelangt, macht er mir nix vor!«

Er setzte sich und schlug sich lachend auf den Schenkel. Dies alles geschah mit so zwangloser Selbstverständlichkeit, als wäre Gustav nicht nur sein alter Duzfreund, sondern auch der Gesinnungsgenosse seiner gemeinen Gelüste. Durch Anbiederungston pflegt die Gattung der Lüstlinge ihre Gewalt auszuüben. Gustav duckte sich dann gewöhnlich und hatte gegenüber so viel Sicherheit nicht den Mut zur Gegenwehr.

Auch heute drohte der arme Junge dem lähmenden Dunstkreis zu erliegen. Er wollte nicht unhöflich sein; er gab wortkarge Antwort — doch immerhin: er gab Antwort. Und der gesprächige andere sorgte schon dafür, daß keine Stockung eintrat.

Auf einmal aber kam etwas zur Sprache, was den zarten Leidenden an seiner empfindlichsten Stelle traf und zum wildesten Gegenkampf herausrief.

Der Hauptmann aus dem Städtchen — so plauderte der Eindringling — sei ein herzhafter Trinker und, wie gesagt, ebenso handfest hinter den Mädchen her ...