Jetzt saß der junge Elsässer hier mit zerrütteten Nerven. Er starrte die zerfurchte Mondfläche an, legte dann das Glas beiseite und kam in eine sinnlose schaukelnde Bewegung, wobei er immer — in Erinnerung an einen Satz des Philosophen Kant — die Worte vor sich hinleierte: »Der bestirnte Himmel über mir — das moralische Gesetz in mir — über mir — in mir — —« bis er sich, plötzlich erwachend, umsah und in ein Stöhnen ausbrach: »Herrgott, ich bin ja krank!«

Schwer warf er sich auf den Diwan, zog die Decke über sich, schloß die Augen und murmelte leis in sich hinein: »Ich bin krank, ich bin krank!«

Ein widerlicher Duft, der aus dem Keller zu kommen schien, lag über dem Dorfe. Oh, wie das an die Leichengerüche der Schlachtfelder erinnerte! Warum man ihn nur so allein ließ? Er ringelte sich zusammen, ganz klein — und Bilder aus den grauenvollsten Kriegstagen rollten ununterbrochen und marternd über seine Seele hinweg. Nur bittere, nur quälende Bilder — ein Mückenschwarm von Dämonen und Fratzen! ...

Plötzlich — er fuhr empor — kamen schwere Stiefelschritte die Bodentreppe herauf.

»Was ist das? Nicht möglich! Hab' ich denn vergessen, die Bodentüre zu verriegeln?«

Gustav sprang auf. Und schon hüstelte draußen jemand, klopfte an und streckte dem aufschließenden Bewohner ein drollig lächelndes, wohlgenährtes Gesicht entgegen.

»Salüt, Güschtel!«

Das französische »Salut« und dabei eine feldgraue Uniform? Doch was für eine Uniform war denn das?

Gustav stand sprachlos. Violetter Kragen — ein Generalstäbler? Nein, dieses pfiffig-dumme Gesicht paßte nicht in den Generalstab. Maschinengewehr? Jäger? Was denn eigentlich?

»Gel, Güschtel, do gücksch jetzt?« rief der Eingetretene, eine stämmige, fast feiste Gestalt. Und jetzt erkannte Gustav seinen Schulkameraden, den Sohn des Gastwirtes, der als Apotheker im Städtchen tätig war.