»Onkel Arnold,« sprach sie mit der so oft aus ihr herausbrechenden offenen, tiefernsten Wahrhaftigkeit, »kannst du dir vorstellen, daß ich meinem Bruder den Haushalt führe? Kannst du dir vorstellen, daß ich in ein solches Elsaß zurückkehre und dich allein lasse?«
Er faßte aufleuchtend ihre beiden Hände.
»Fanny! Liebste Fanny!«
»Du kennst mich genug«, fuhr sie fort. »Du weißt, daß ich wohl immer Liebe gesucht, niemals Liebesgeschichten. Und du wirst mir die Kraft zutrauen, daß ich auch unvermählt bei dir bleiben kann — als deine Tochter und Pflegerin und, wenn's gelingt, vielleicht ein wenig Mitarbeiterin. Traust du mir das zu?«
»Aber Erwin — und wer sonst etwa Anspruch auf dich erheben könnte von all den tüchtigen jungen Männern in Deutschland, die sich jetzt nach Weib und Heim sehnen?«
»Erwin wird seine Hertha finden. Und die andern jungen Männer finden Mädchen genug. Aber du bist einsam. Du schließest dich viel zu schwer an jemand an. Doch falls du mich brauchen könntest — — Vater, ich habe keine Heimat mehr als dich. Behalt mich bei dir!«
Die letzten Worte klangen so innig, daß er sich zu dem unaussprechlich hold vor ihm stehenden Mädchen hinabneigte und nach alter zarter Weise ihren Mund küßte. Er konnte kaum seine Tränen zurückhalten, als er in das blasse, bittende Gesichtchen sah. Sie hatte ihn zum ersten Male Vater genannt.
»Wir wollen einander Heimat sein, liebes Kind«, sagte er leise.
Dann nahm er die weiße Trauerfigur vom Fensterbrett, Fanny die sieghafte andre — und so gingen sie miteinander hinüber zur Gesellschaft.