»Großherzig und giftfrei«, faßte einmal der Philosoph Arnold sein Urteil über ihn zusammen.
Mit seinem sonnigen Gemüt ergänzte Erwin den Grübler und Einspänner Gustav vortrefflich und wirkte lösend und mitreißend auf dessen schwerflüssige Denkart. Der Sterngucker war in seiner Gegenwart immer wie verwandelt und warf in eifriger Mitteilsamkeit seine scheuen Verhüllungen ab.
»Du bist mir immer ein Sonnenbad«, gestand er dem Langen. »Man läuft mit dir gleichsam splitternackt auf den Matten herum und freut sich an Licht und Luft.«
»Was quält dich denn? Rüs mit d'r Sproch'!«
»Acht Monate sitz' ich jetzt da 'rum, Erwin, mit schwachem Gedärm und schlechten Nerven! Zum Verzweifeln!«
»Du hast doch deinen Vater« — —
»Ja, ja, und habe Fanny, ja, schon recht! Aber die sind gesund! Verstehst du? Gesund, viel zu gesund für mich! Unter uns: ich bin ihnen nicht gewachsen.«
»Nanu? Das bissele Nervengezappel?«
»Eintun, es geht nicht, mein Lieber, geht nicht! Fanny, so klein sie ist, sprüht von Kraft und Temperament. Die ist wie Stahl, wie eine Springfeder, wie die Unruh in der Uhr. Die braucht einen anderen Kerl als mich. Sechs Stunden durch Wald und Berg laufen, dann einen Abend lang Klavier, und den Tag wie ein Fest beschließen — das ist's, was sie braucht. Ich bin ein gebrochener Mensch. Zum Verzweifeln! Ich sitze da oft und weine vor mich hin und versteck's vor Fanny und Papa, damit sie nicht mit mir leiden.«
»Herrschaft, wie du mir leid tust!« rief Erwin in hellem Mitgefühl und sprang vom Tisch herunter, um sich aber gleich wieder hinzusetzen. »Geh doch in ein Sanatorium! Tu etwas für deine Gesundheit! Sitz doch nicht so untätig da 'rum!«