»Von der du träumst.«

»Wie kann Gestalt annehmen, was in Lüften lebt? Kann elsässische Seele Person werden? Kann sie als Mann oder Mädchen vor mein Auge treten? Kann ich ihr die Freundeshand reichen oder sie liebend ans Herz ziehen? Denn siehe, ich habe um die Seele meines Volkes gerungen lebenslang — und habe sie nicht gefunden.«

»Hat deine Liebe nicht einst Gestalt genommen und einen Sohn gezeugt?«

»Ich habe wohl einen Sohn, doch ich bin um ihn bange. Um sein Gemüt noch mehr als um seine zarte Gesundheit. Denn auf ihm lastet dieses Landes tragisches Schicksal. Er wird darunter vergehen, fürcht' ich, wie seine Mutter vergangen ist. Zwanzig Jahre bin ich allein; ich habe mein Herz und meine Hoffnung in meinen Sohn ergossen. Und mein Sohn droht mir zu zerbrechen.«

»Hast du niemanden als ihn?«

»Seine Braut, meine Schülerin und junge Freundin, die mir nicht minder gut ist als ihm.«

»Wie kannst du sagen, daß du einsam seiest? Haben dich nicht beide lieb?«

»Beide haben mich lieb. Und ich wüßte niemanden, den ich mehr liebe. Und in ihnen lieb' ich dieses Land, das sich weit und wehmütig hinter ihnen ausdehnt. Warum senkst du das Haupt?«

»Siehst du das Birkenwäldchen in deines Nachbars Garten?«

»Ich sehe es.«