7. Wie eine Waise unverhofft ihr Glück fand.

Dieses Märchen ist früher von Herrn Kreutzwald mir mitgeteilt und von mir im Bulletin XVI, 448-56 und 562-63 (= Mélanges russes IV, 7-18) in dem Aufsatz »Zum Mythus vom Weltuntergange« veröffentlicht worden, wo auch das in finnischen Märchen Vorkommende verwandten Inhalts berührt ist. Sch.

Wie sich in diesem Märchen (S. [95] f.) ein ins Wasser geworfenes Klettenblatt in einen Nachen verwandelt, so verwandeln sich in Ariostos Rasendem Roland (XXXIX, 26-28) die von Astolf ins Meer geworfenen verschiedenen Blätter in Schiffe. K.

8. Schlaukopf.

Dieses Märchen erinnert einigermaßen an die, welche ich im Jahrbuch für roman. und engl. Literatur VII, 137 f. zusammengestellt habe. Nach Schiefners Mittheilung gehört dazu noch ein finnisches (Salmelainen IV, 126), wo Helli dem Bergkobold (Wuoren peikko) Pferd, Geld und goldene Decke stiehlt. K.

11. Der Zwerge Streit.

Der Streit der Erben (Geister, Teufel, Riesen, Zwerge, Menschen) um Wunschdinge, welche dann der von den Streitenden erwählte Schiedsrichter sich aneignet, kömmt oft in den Märchen des Morgen- und Abendlandes vor. Näher darauf einzugehen ist hier nicht der Ort, nur folgendes sei bemerkt. Die Zahl der Wunschdinge ist häufig drei, und darunter befinden sich sehr oft ein Paar Schuhe oder Stiefeln und ein Hut oder eine Mütze. Erstere bringen den Besitzer entweder, wie hier, sofort an einen gewünschten Ort, oder er kann wenigstens in ihnen mit jedem Schritt Meilen (7-1000) zurücklegen. Der Hut oder die Mütze hat meistens die Eigenschaft unsichtbar zu machen: daß der Träger des Hutes aber alles, auch das fernste und den gewöhnlichen Menschen sonst unsichtbare, sehen kann, ist dem ehstnischen Märchen eigen, ebenso wie der Alles schmelzende Stock. Zwar kömmt unter den Wunschdingen in mehreren Märchen ein Stock oder eine Keule vor, aber nicht mit dieser Eigenschaft.

Was den Umstand betrifft, daß der Hut aus Nägelschnitzeln gemacht ist, so ist außer dem [S. 143, Anm. 1] Bemerkten noch auf Schiefners Mittheilung im Bulletin II, 293 zu verweisen, daß die Lithauer in Samogitien ihre Nägelschnitzel nicht wegwerfen, sondern an ihrem Leibe verwahren, aus Furcht, der Teufel könne dieselben auflesen und sich einen Hut daraus machen. Schiefner erinnert auch an das aus Nägelschnitzeln Todter gebildete Todtenschiff Naglfari in der Edda.

Daß Zwerge bei Hochzeiten unsichtbar mitessen, kömmt öfters in deutschen Sagen vor, z. B. in Büschings Wöchentlichen Nachrichten I, 73, Müllenhoff Sagen, Märchen und Lieder aus Schleswig u. s. w. S. 280, Nr. 380, Kuhn und Schwartz Norddeutsche Sagen Nr. 189, 4; 270, 2; 291. K.

13. Wie eine Königstochter sieben Jahre geschlafen.