Der Löwenmutige ward dieser Rede froh,
Davon aus seiner Brust so Groll als Unmut floh.
Es dünkt' ihm gut, daß er zum Königshause gienge,
Als wolgemuter Gast zu Fest und Schmause gienge.
Ihm gab den Ehrensitz der König im Palast,
Auf Füßen dienstbereit stand er vor seinem Gast.
Die Häupter aus der Stadt, die Häupter aus dem Heer,
Berief und pflanzt' er beim Gelag um Rostem her.
Den Köchen er befal, von allen guten Dingen
Gerichte zu der Wal des Helden herzubringen.
Da ward hereingebracht ein ausgesuchtes Mal,
Der Silberschüßeln Pracht und goldner Schaalen Zal;
Aus China war beim Fest chinesischer Pokal.
In diesem ward kredenzt Wein unter Lautentönen
Von rosenwangigen gasellenaugigen Schönen.
Sie mengten Saitenspiel und Wein mit Schmeichelei,
Damit nicht ungemut der Hochgemute sei.
Er hörte seine Lust, und schaute sein Vergnügen,
Und trank den frohen Mut dazu in langen Zügen.
Mit allen Sinnen so schöpft' er des Festes Wonne,
Ihm stralte sein Gesicht bei Nacht wie eine Sonne.
Und allen, welche da das helle Angesicht
Des Helden leuchten sahn, wards in der Seele licht.
Die Becher ließ er nicht die ungetrunknen säumen;
Und als er trunken war, dacht er den Sitz zu räumen.
Da war bereit für ihn, gewölbet kühl und luftig,
Ein Schlafgemach, von Musk und Rosenwaßer duftig.
Im kühlen Schlafgemach verschlief auf seidnen Decken
So Müdigkeit als Rausch Rostem, der Feinde Schrecken.


7.

Um Mitternacht, wenn sich des Poles Wagen drehn,
Ward leises Wort gesagt bei leiser Tritte Gehn.
Geräuschlos aufgetan ward Rostems Ruhgemach,
Mit Staunen ward der Held beim Glanz von Fackeln wach.
Tehmina stand vor ihm, bestralt von Stein und Gold,
Die Königstochter von Semengan wunderhold.
Ihr standen beiderseits mit Fackeln Dienerinnen;
Sie stralte hell vom Glanz der Fackeln und der Minnen.
Der Reiz der Jugend war in den der Scham getaucht,
Der Wangen Lilien von Rosen überhaucht.
Doch im Rubinenschloß des Mundes lag bewart
Geheimnis liebliches, für diese Nacht gespart.
Er richtete sich auf, und staunte lang und tief,
Indem er Preis ob ihr und ihrem Schöpfer rief.
Er fragte sie und sprach: Wie, Holde, nennst du dich?
Und was in finstrer Nacht zu suchen kommst du, sprich!
Zur Antwort gab sie ihm: Tehmina ist mein Name,
Gespalten ist mein Herz von einem tiefen Grame.
Ich bin des Schahes von Semengan einzig Kind,
Von Kindheit auf, im Lauf, der Neid von Hirsch und Hind;
Sie holen mich nicht ein, mich holt nicht ein der Wind.
Allein die Sehnsucht kam mich heimlich einzuholen,
Die führt mit diesem Gram mich her zu dir verstolen.
Wie eine Wundersag hab ich aus jedem Munde
Gehört zu jeder Stund, an jedem Ort die Kunde,
Wie du so tapfer bist, und trägest keine Scheu
Vor Tiger, Elefant und Krokodil und Leu.
Du schirmest ganz allein Iran mit deiner Kraft,
Und Turan zittert, wenn sich rührt dein Lanzenschaft.
Du reitest ganz allein bei Nacht in Turan ein,
Und streifest dort umher, und schläfest dort allein.
Dergleichen Kunde ward mir vom Gerücht vertraut;
Lang wünscht ich dich zu sehn, heut hab ich dich geschaut.
Wenn du zu Weibe mich begehrst, bin ich dein Weib;
Nie Mond- noch Sonnestral berührte diesen Leib.
Vom Schleier meiner Zucht erwuchs ich tief umfangen;
Den Zügel der Vernunft entzog mir dieß Verlangen:
Ich bitte Gott, von dir zu tragen einen Sproß,
Der einst, an Kraft dir gleich, beherrsche dieses Schloß.
Zur Mitgift will ich jetzt, o Held, dieß Schloß dir bringen,
Zur Morgengab alsdann, Rostem, dein Ross dir bringen!


8.

So endet' ihren Gruß das Mondglanzangesicht;
Der Löwenkühne hört' aufmerksam den Bericht.
Wie sie der Held so schön, so perlgleich sie sah,
An Sinn so hoch und an Verstand so reich sie sah,
Und daß sie noch dazu vom Rachs ihm gab die Kunde;
Von lauter Frölichkeit sah er erfüllt die Stunde.
Er rief die wandelnde Zipress' an sich heran;
Hold tauschte Blick und Wort mit ihr der Pehlewan.
Er rief ins Vorgemach, daß einen der Mobeden
Sie brächten ihm herbei, der wüßte wol zu reden.
Den sendet' er alsbald, den Weisen tugendvoll,
Daß er die Tochter ihm vom Vater fordern soll.
Der Wolverständige, dahin zum Schahe schritt er,
Und that die Werbung kund von Irans edlem Ritter.
Der Schah ward freudenvoll, da dieser Gruß erscholl;
Er fühlte, wie sein Herz von hohem Mute schwoll.
Er richtete sich stolz, der Zeder gleich, empor;
Das Band mit Rostem kam ihm wert und theuer vor.
Dem Ritter in der Nacht gab er der Tochter Hand;
Und wie die Kund erscholl, war Freud in Stadt und Land.
Von Freuden war erwacht ein Aufruhr in der Nacht,
Zu Rostem sei als Braut des Königs Kind gebracht.
Da war der Jubel laut die ganze Nacht ums Schloß,
Wo seine holde Braut der starke Held umschloß.
Still tauschte drin das Paar die Lust der Seelen aus,
Und draußen ließ die Schaar die Kraft der Kehlen aus:
„Daß dieser neue Mond lang dein Behagen sei!
Daß deiner Feinde Haupt ewig geschlagen sei!
Aus diesem Bunde müß ein Heldensproß entspringen,
Der mög an Tapferkeit mit seinem Vater ringen!“
Sie meinten ihr Gebet zum Segen und zum Heil,
Der Himmel aber nam es an zum Gegenteil.


9.

Nach kurzer Freudennacht als an der Morgen brach,
Wand aus Tehminas Arm sich Rostem los, und sprach,
Indem vom Arm er nam ein goldenes Gespang,
Von dem erschollen war der Ruhm die Welt entlang;
Sie glaubten, daß daran sei Rostems Heil gebunden,
Und unverletzlich sei, wen dieses Band umwunden:
Das gab er ihr und sprach: Liebtraute! dieß bewar!
Wenn eine Tochter dir nun bringen wird das Jahr,
So nimm dieß Goldgespang, und schling es ihr ins Haar!
Als welterleuchtenden Glückstern soll sie es tragen,
Der ihr soll und der Welt von ihrem Vater sagen.
Wenn aber einen Sohn dir die Gestirne reichen,
So bind ihm um den Arm, wie ich es trug, das Zeichen.
Des Vaters Zeichen sei an seinem Arm bewart,
Und wachsen wird er selbst nach seines Vaters Art.
Gleich seiner Ahnen Stamm wird der aus Heldensamen
Erzeugte sein, es bleibt nicht ungenant sein Namen.
Ist er erwachsen, send ihn mir nach Iran zu!
Nun aber naht der Tag, ich geh, wol lebe du!
Zum Abschied faßt' er sie an seine starke Brust,
Auf Aug und Haupt gab er ihr manchen Kuss voll Lust.
Mit Weinen wandte sich von ihm die zarte Braut;
Sie ward nach kurzer Lust mit langem Weh vertraut.
Zu Rostem aber kam der König hochgemut,
Den Eidam fragt' er da, wie er die Nacht geruht?
Ihm gab er Kunde dann vom Rachs, er sei gefunden;
Und aller Sorgen war das Heldenherz entbunden,
Er gieng, und streichelt' ihn und sattelt' ihn sogleich,
Dann von Semengan ritt er froh und freudenreich.
Gen Sistan auf dem Rachs als wie ein Wind er flog,
Indem er die Geschicht in seinem Sinn erwog.
Von Sistan ritt er heim nach Sabulistan gar,
Und keinem sagt' er dort, was ihm begegnet war.