13.

Zu seiner Mutter sprach Suhrab, der junge Held:
Den Vater nun zu schaun, Mutter, zieh ich ins Feld.
Dazu brauch ich ein Ross, mit meinem Mut schritthaltend,
Ein Ross mit einem Huf von Eisen kieselspaltend:
Von Stärk ein Elefant, und vogelgleich an Schwung,
Im Waßer wie ein Fisch, und wie ein Reh im Sprung,
Ein Ross, das meine Wucht und meine Waffen trage,
Und nicht von meiner Faust erlieg an einem Schlage.
Denn nicht zu Fuße ziemt zum Kampfe mir zu gehn;
Vom hohen Ross will ich dem Feind ins Antlitz sehn.
Da so die Mutter hört' ihr junges Heldenblut,
Zum Himmel hob sie stolz ihr Haupt in hohem Mut.
Sogleich befolen ward von ihr dem Hirtenvolke,
Zu bringen aus der Trift von Pferden eine Wolke,
Damit dem Suhrab käm ein Rösslein fein zur Hand,
Auf dem er säße, wann er ritt in Feindesland.
Und alles was sich fand von Pferden alzumal,
Was aufzutreiben war da zwischen Berg und Thal,
Das trieben sie zur Stadt, und Suhrab nam, der Leu,
Die Fangschnur nun, und trat zum nächsten ohne Scheu.
Welch Ross vor allen stark er sah von Bug und Backen,
Des Riemens Schlinge warf er gleich ihm übern Nacken.
Er zog es her und legt' ihm auf den Rücken auch
Die Hand, da lags gestreckt am Boden auf dem Bauch.
Es konte nicht den Druck der flachen Hand ertragen,
Er braucht' es mit der Faust zu Boden nicht zu schlagen.
Schon war durch seine Hand manch schmuckes Ross geknickt,
Und keines kam ihm noch zur Hand, für ihn geschickt.
Es schien, es war kein Ross für seine Kraft gerecht,
Und traurig ward der Sproß vom Pehlewangeschlecht.


14.

Da stellte sich zuletzt ein alter Recke dar,
Und sprach: Ich hab ein Ross, wie keines ist, noch war.
Im Gange wie ein Pfeil, im Laufe wie ein Wind;
Es ist von Rostems Hengst, vom Rachs, ein einzig Kind.
Kein Ross von gleicher Kraft ist auf der Welt zu sehn;
Ein Blitz im Rennen ists, und ein Gebirg im Stehn.
Die Hitze noch der Frost macht ihm nicht kalt noch heiß,
Mit Nüstern voller Dampf, und Poren ohne Schweiß.
Ein Wolkenschatten schwebt es über Thal und Hügel,
Und segelt durch die Luft, ein Vogel ohne Flügel.
Der Pfau zieht ein vor Scham des Rads gespannten Reif,
Wenn es die Mähnen hebt, und hoch trägt seinen Schweif.
Am Berge klimmend, ist es einem Löwen gleich;
Im Waßer schwimmend, ist es einer Möwen gleich.
Sein Reiter, wenn im Ritt er schnellt den Pfeil vom Bogen,
Kommt schneller als der Pfeil dem Feinde nachgeflogen.
So flüchtig ists zur Flucht: auch der von seinen Solen
Erregte Staub versucht umsonst es einzuholen.
Bei allen Tugenden, die diesem Rösslein eigen,
Hats einen Fehler nur: es läßt sich schwer besteigen.
Doch wers bestiegen hat, den wirds zum Siege tragen,
Der mag darauf den Kampf mit Rostem selber wagen.
Froh wurde Rostems Sohn von dieses Wortes Klange,
Er lacht' und rosengleich erblühte seine Wange.
Laut rief er: Ei so bringt mir gleich das schmucke Ross!
Sie brachtens ungesäumt zum jungen Heldensproß.
Er machte gleich an ihm mit seiner Hand die Probe,
Das Thier war stark genug, und es bestand die Probe.
Da schmeichel-streichelt' ers, und sattelt' es geschwind,
Aufs starke Ross schwang sich das starke Heldenkind.
Im Sattel saß er fest alswie ein Bild von Erz,
Und hielt mit leichter Hand die Zügel wie zum Scherz.
Er tummelte das Ross, daß es begann zu schäumen,
Zu schnauben mit Gebraus, doch durft es ihm nicht bäumen.
Da sprach vom Ross Suhrab, indem ers anhielt leise:
So hab ich nun ein Ross gewonnen zu der Reise.
Nun acht ich mein die Welt, da ich das Ross gewann,
Auf dem ich Rostem selbst mit Ruhm bestehen kann.


15.

Er sprachs, und stieg vom Ross, und gieng ins Haus zurück:
Da rüstet' er zum Krieg mit Iran Stück um Stück.
Wies kund im Lande ward, daß er kriegslustig sei,
Strömten von da und dort Kriegslustige herbei
Wie eine Sonne war er ihrem Wunsch erschienen;
Sie alle wollten Ruhm und wollten Gold verdienen.
Die Waffen hatten lang in diesem Land geruht,
Und aus der Asche brach nun die verhaltne Glut.
Suhrab, gerüstet, trat zu seiner Mutter Vater,
Um Urlaub und Geleit und Reisebeistand bat er.
Großvater! sprach er: jetzt sollst du mir Spielzeug schaffen;
Die Leute hab ich schon, gib mir dazu die Waffen!
Denn ohne Waffen ist ein Heerzug mangelhaft;
Ein Rösslein hat mir schon die Mutter angeschafft.
Doch alles, was mir folgt, soll auch auf Rossen reiten;
Kamele sollen dann mit Zehrung uns begleiten.
Denn schmausen wollen wir, so oft als wir nicht streiten.
Tu deinen Marstall auf, das Vorratshaus mit Kost,
Das Zeughaus auch, worin die Waffen frißt der Rost!
Dem alten König klang anmutig diese Post,
Mit Lachen sah er an den jungen Augentrost;
Durchwärmet war sein Frost von diesem feurigen Most.
Er sprach bei sich: was ists mit dieser Waffenfart?
Ist dieß den Vater aufzusuchen eine Art?
Doch sei es wie es sei! es ist das Heldenfeuer
Rostems in seinem Blut, und fordert Abenteuer.
Da stellt' er, was er hatt', ihm alles zu Befele,
Vorrät in Land und Stadt, die Ross' und die Kamele,
Futter für Ross und Mann, die Gerste samt dem Weizen;
Mit Silber auch und Gold wollt er dazu nicht geizen.
Und als er tat darauf das alte Zeughaus auf,
Da stand ein Waffenhauf wolfeil der Lust zu Kauf:
Schwerter und Wehrgehäng, Leibröcke, Helm und Panzer,
Für Schützen Bogen auch, und Spieß und Sper für Lanzer.
Suhrab, wie ers empfieng, so teilt' er Wehr und Sold,
Es stob ihm von der Hand das Eisen und das Gold.
Er sprach: da nemet hin! soviel vermag ich heute;
Und wenn ihr mehr begehrt, so helft daß ichs erbeute!
Eroberten wir erst des Persers Königreich,
So mach ich jeden Mann wie einen König reich.