V. 121. pro (preo, preko) zemlje turčije über die Länder der Türkei.
V. 122. ‘Zur Hauptstadt und Istambol’ ist ein Hendiadys. Ich behalte hier und überall sonst die poetische Figur bei, wenn es nur irgendwie der deutsche Sprachgebrauch zulässt.
V. 211. Ridžalen sind die hohen Würdenträger, die Granden am türk. Hofe.
V. 273. Das schwere Geschütz zog man zu Schiff Donauaufwärts nach Ungarn, das Gros des Heeres schlug aber, wie immer den Landweg ein. Übrigens nahm Köprülü I. persönlich an dem ungarischen Feldzuge nicht Teil.
V. 318. Der Guslar irrt; denn unter den bosnischen Valis kommt erst in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrh. ein Köprülü vor (Urenkel K. I.), der aber bekleidete die Stelle zweimal und hinterliess beim Volke ein gesegnetes Andenken. Er war gleich seinem grossen Ahnherrn ein wahrer und uneigennütziger Freund und Beschützer der Juden.
V. 356 und 372. Die Angabe entspricht zutreffend der Machtbefugnis und dem Amtbereiche eines Stadthauptmannes. Ein militärischer Bezirkhauptmann alarmiert das Land durch Kanonenschüsse. Die Heerfahne steckt man bei einer solchen Gelegenheit im freien Felde auf; denn das Militär darf sich der Frauen und der Zucht wegen nicht innerhalb einer bewohnten Ortschaft sammeln. Türkische Truppen kennen auch die Marketenderinnen-Wirtschaft nicht. Fazlagić schliesst als gläubiger Moslim vor dem Auszug in den Krieg seine Rechnung mit Gott ab. Vor Beginn einer Schlacht pflegen Hodžen ein Gebet zum Segen der Kämpfer zu sagen. Džanan und die Mehrzahl der Bošnjaken mochten aber im Stillen der Ansicht sein, die Tale der Narr offen (im Smailagić Meho) gegenüber dem Hodža ausspricht: ‘Raspel rascher, du Hodža, deinen Segen ab! Das Schwert, nicht dein Segen säbelt den Feind nieder!’
V. 424–430. Stereotyp. Diese Rede entspricht mehr dem allgemeinen Gefühle des bosnischen Volkes als Džanans Lied. Aus den Guslarenliedern allein gewänne man einen unwahren Eindruck hinsichtlich der vorwiegenden Volkstimmung. In Wahrheit ist der Bosnier, nicht minder als der Serbe in Serbien und der Bulgare und Grieche im grossen und ganzen allen kriegerischen Unternehmungen gründlichst abgeneigt. Heutigentags pressen die Kleinstaaten jeden waffenfähigen Mann zum Militär und wenn es dann zum Treffen kommen soll, erweisen sich die Soldaten als stramme Anhänger der Baronin Bertha von Suttner und legen »die Waffen nieder«, um ihr kostbares Leben der Menschheit zu erhalten.
V. 505. Der Glaube ist allgemein, dass die Bewunderung schöner Mädchen einen Kämpen töten könne. Wer, wie z. B. Tale der Narr, der Beschreiung leicht unterliegt, geht mit zerfetzten Knieen und löcheriger Kopfbedeckung einher, auch hilft Knoblauch und eine Wolfschnauze im Busenlatz getragen. An Abwehrmitteln, besonders an Besprechungen des bösen Blickes und der Bewunderung ist die südslavische Folklore-Literatur überaus reich. Der Glaube ist international, wie die zahllosen Belege der endlosen Abhandlungen Julius Tuchmanns über ‘Fascination’ in der Mélusine dartun.
V. 518. Nach unserer Stundenzählung um 10 Uhr nachts.
V. 530. Der Guslar legt sich die Episode ungeschlacht zurecht; denn kein Moslim lässt sich, auch nicht im Scherze, Vater und Mutter ungestraft beschimpfen. Der Guslar suchte nach einer Entschuldigung für das unschickliche Schnorrmanöver Džanans und ersann nichts Besseres als die Ausflucht, dass es auf Geheiss Köprülüs geschehen sei.