Vers 211 f. Seit Jahren ist die letzte Spur der Türkenschanzen weggeräumt worden. Jetzt entstand dort eine der herrlichsten Parkanlagen Wiens. Nur der Name ‘Türkenschanze’ ist der Anlage geblieben.


[1] La fin du roi Bonaparte. Chanson des Guslars orthodoxes de la Bosnie et Hercegovine. Par le Dr. Friedrich S. Krauss. Extrait de la Revue des Traditions populaires t. IV. No. 1 et 3. Paris. Maisonneuve et Ch. Leclerc, 1889. 8o.

[2] Die Belege dazu werden als besonderer Abschnitt in einem anderen meiner Bücher erscheinen.

[3] Meine bosnische Fassung der Schnurre erschien im Jahrbuch der Gesellschaft für Folklore in Paris.

Die Mutter der Jugović.

Im Pašalyk Prizren in Altserbien siedelte im Jahre 1891 in aller Stille die osmanische Regierung einige tausend Juden an, die aus dem strenggläubigen, heiligen Russland zur Auswanderung gedrängt worden waren. Wie lange werden die Neusiedler und deren Nachkommen dort in Frieden leben dürfen? Wer weiss es? Schon schielen manche Diplomaten mit ländergierigen Augen nach jenem wunderbar gesegneten Landstrich hin, der zwar noch immer Altserbien genannt, doch derzeit vorwiegend von Albanesen und Bulgaren bewohnt wird. Die Serben namentlich erheben historische Rechtansprüche auf den Besitz des Kosovo polje, des schiefen Feldes oder der Leiten, wie man gut deutsch so ein Gebiet nennt, einer überaus fruchtbaren Hochebene von 70 km Länge und 30 km Breite. Mit Unrecht heisst man das Feld Amselfeld, als ob der slavische Name Kos polje lautete. Nicht durch Amselgesang erlangte jene Hochebene grosse Berühmtheit, sondern durch Abschlachtungen, die sehr gläubige Moslimen und sehr gläubige Christen untereinander auf dem breiten Plane veranstalteten. Berühmt ist der 15. Juni 1389, denn an jenem Tage zertrat Murad I. und sein Sohn Bajazit auf den Leiten die gesamte Serbenmacht und das Serbenreich. Und am 17. bis zum 19. Oktober 1448 zermalmte Murat II. zwischen Priština und Vučitrn das Heer Johann Hunyadis.

Mit unauslöschlichen Zügen prägte sich die Erinnerung an diese zwei Massenniedermetzelungen dem Gedächtnisse der Serben und Bulgaren ein. Noch jetzt zehrt der Patriotismus und Chauvinismus der serbischen Politiker von jenen Niederlagen und er wird sich schwerlich eher beruhigen, als bis eine noch grössere Fremdeninvasion diese alte Geschichte gegenstandlos machen wird. Dem Bauernvolke darf man keinerlei politische Auslegungen seiner Erinnerungen an jene Vorfälle unterschieben; denn ihm sind die Berichte der Guslaren nichts mehr und nichts weniger als hübsche Sagen, die man zum Zeitvertreib anhört. Selbst der Volkforscher kann die einschlägigen Guslarenlieder nur als Sagen auffassen und muss ihnen so gut wie jede pragmatisch historische Bedeutung absprechen. Sie sind ihm nicht viel anderes als ein Ausdruck geistiger Gestaltungkraft der Volkseele, deren Dolmetsche namenlose, weil vergessene Dichter aus dem Volke und Bewahrer der Rede Guslaren sind.

Eine alte Sage (man muss sie sich erst aus Bruchstücken neu zusammensetzen) erzählt von den Bewohnern der Burg Zvečan bei Mitrovica in Altserbien. Dort hauste in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts der serbische Ritter Jug Bogdan (Süd Theodor) mit seiner würdigen Gattin, einem Töchterlein und neun Söhnen, die nach ihm Südsöhne (Jugovići) hiessen. Er war ein mächtiger Streiter, wohlgeübt und erfahren in Mordtaten jeglicher Art, und seine Söhne gerieten ihm nach. Die Tochter Milica verheiratete er an den Landfürsten Lazar und seinen Söhnen verschaffte er Genossinnen in die Hausgemeinschaft. Er war daher zu Hofe und im Reiche gar geehrt und angesehen. Kurz vor der Schlacht auf den Leiten feiert Lazar der Serbenfürst sein Sippenfest[1]: