Pod Mostarom zelena ta jabuka pod jabukom šarena ta sedžada, na sedžadi Šahin Melva gospogja. Unter Mostar steht der grüne Apfelbaum, Unterm Apfelbaum der bunte Teppich ruht, Auf dem Teppich Falkin Melva Edelfrau.

Ein armer Rosshirt hüllt sich nachts auf der Wiese in einen groben Kotzen ein, wenn er einen hat, oder legt sich zur Ruhe ins weiche Gras hin. Ein Beg nimmt sich wohl einen Teppich mit, meinetwegen einen persischen um 100 Dukaten. Er benötigt ihn ja auch zu den Gebetverrichtungen. Die Vila erscheint und bettet ihren Sprössling auf den Teppich. Das ist auch einem Mindergebildeten verständlich, war es aber offenbar Petranović weniger; denn, sei es, dass ihn das Fremdwort störte oder dass ihm ein Teppich als Ruhelager für einen rossebewachenden Beg zu gemein bedeuchte, er setzte für na sadžadu kaltblütig u ložnicu (in das Schlafgemach) ein (S. 18 a. a. O.)! Ložnica ist ein ganz schönes und allgemein gültiges serbisches Wort, das auch der Dichtung eigen ist, z. B. Komar muhu zaprosio, svedoše se u ložnicu u tikvicu na policu, der Gelserich hatte die Fliege gefreit, man führte sie ein ins Schlafgemach, ins Kürbisfläschlein hin aufs Schränklein, oder, es klagt ein einseitig glücklich Liebender: kad ja idem u ložnicu spavati, čini mi se ta ložnica tavnica, wann ich schlafen gehe in das Schlafgemach, scheint das Schlafgemach zu sein ein Kerker mir! Vuletíć sagt in seiner Beschreibung des bosnischen Heimes: Odar je namješten u ćošku kolibe, gdje je i ložnica (Die Bettstatt ist im Hüttenwinkel angebracht, wo auch die Schlafstube ist). Aus diesen Beispielen geht klar hervor, dass die Schlimmbesserung P.’s an unserer Stelle durchsichtig ist. An wie vielen anderen mag derlei gar nicht nachweisbar sein? Das wäre übrigens der geringste Vorwurf, den man gegen P. und die Mehrheit seiner folkloristelnden Kompatrioten erheben kann.

V. 32. Das Kind sehnte sich tagüber nach dem Vater und gab der Mutter keine Ruhe. Endlich nachts konnte sie seinen Willen erfüllen: »Da hast ihn und gib Ruh’ einmal!«

V. 39. noži, die Messer, Mehrzahl zur Bezeichnung eines zwei- oder dreischneidigen Dolchmessers. Dolch heisst in der serb. und chrowot. Schriftsprache ungenau bodež, denn das ist ein Stilet.

V. 46. Zum Zeichen seines tiefen Seelenschmerzes, wie man sich bei uns in gleicher Lage mit flachen Händen nach den Schläfen greift.

V. 50. Gewöhnlich sind Waldgeisterkinder hässliche Wechselbälge; aber auch Jovo’s Söhnlein weicht, wenngleich köstlich, im Aussehen von Menschenkindern ab.

II. Eine Parallele dazu (in Gerhard’s Umdichtung) bei Krauss, Sitte u. Brauch S. 153 f.

V. 2. Für die Annahme einer Wandersage spricht auch der Umstand, dass sich die Szene auf unbestimmtem Gebiete abspielt. Latinka, eine Lateinerin, bezeichnet sowohl eine römisch-katholische Christin als auch eine Italienerin. Den Sohn mit einer Katholikin zu verheiraten, wäre nichts besonders und nichts unerhörtes, wäre gar nicht erwähnenswert. Aber, die Vila vergönnt sich eine vornehme Schwiegertochter, eine gebildete, in allen weiblichen Fertigkeiten wohlbewanderte, schmucke Italienerin. Das Bräutchen ist klug und witzig, und das Lied wird zum Lob- und Preislied für die Italienerin.

V. 13. pero paunovo eine Pfauenfeder statt perušku (einen Flederwisch), poetisch pars pro toto. Im deutschen erschien mir die Diktion zu geziert und ich sah darum von ihrer Wiedergabe ab. — Das Haus zu säubern, das Feuer im Herdloch ständig zu unterhalten, Wasser herbeizuschleppen, Mehl zu sieben (nicht das Brot zu backen) ist fast die ausschliessliche Aufgabe einer jungen Bäuerin im ersten Jahre ihrer Ehe.

III. V. 1. Das Mädchen (Vila Nr. 1) wohnt oben am Berge, die junge Frau (Vila Nr. 2) unten im Tale. Neckische, poetische Zwiegespräche auf grössere Entfernungen über Berg und Tal bekommt man auf Reisen zu Sommerzeit häufig zu hören.