Einem Pferdehirten hatten Hexen das Herz ausgetrunken (ispile), worauf er von Sinnen kam. Er riss sich das Gewand vom Leibe und die Haare aus dem Kopfe. Zu seinem Glücke war er der Eidam eines zauberkundigen Weibes (zet babe vračare). Sie schickte ihm Hexenspeichel (coprnjske zbljuvke), den man am Sonntag im Neumond im Morgengrauen irgendwo im Walde oder an Zäunen finden kann, wo eben in dieser Nacht ein Hexenmahl stattgefunden. Die Alte hatte nun zuvor dies Mittel mit Weihwasser besprengt und ihre Gebete darüber gesprochen. Er trank dies in Wasser und genas vollends. Seit dieser Zeit musste er stets Rautekraut mit sich tragen, damit ihm die Hexen nichts anhaben können. Die Raute tritt hier an Stelle des Knoblauchs ein. Auch sie, besonders die Bergraute,[39] hat einen scharfen, durchdringenden Geruch, der sie wohl als geeignetes Abwehrmittel gegen Hexenzauber erscheinen lässt.
Merkwürdigerweise macht die Sage die nächsten Anverwandten eines Menschen zu seinen gefährlichsten Feinden, zu Hexen, die ihm das Herz aus dem Leib reissen. Die Untat wird dargestellt, als wäre sie unter dem unwiderstehlichen Zwang einer höheren Macht verübt worden. Bei Tag fühlt die Hexe, zufolge einer Überlieferung gewissermassen Reue über das Geschehene, ja sie kann sich ihres Verbrechens gar nicht entsinnen, sondern fragt, was vorgefallen, und ist bereit, dagegen Heilmittel in Anwendung zu bringen. Ich nehme Bezug auf das Volklied, das von einer Mutter erzählt, die ihren eigenen Sohn ausgeweidet. Die kürzeste und unvollständigste Fassung lautet:
Auf dem Himmel lauter Sternlein,
Lauter Schäflein in dem Tale.
Bei den Schäflein wacht kein Hirte,
Nur das traute Kind Miloje,
5Sanft und süss entschlief Miloje.
Mara ruft ihn, seine Schwester:
»Wache auf, o Milko, Bruder!«
»Mara, Schwester, ich vermag’s nicht,