[51] Das Brot, das man in den Mund nimmt, ist wohl nichts anderes als ein Opfer, das man der Hexe darbringt, die im Dünger haust, um sie zu versöhnen wegen der Verunreinigung ihres Aufenthaltortes; Brot opfert auch der russische Bauer auf dem Dünger den Lješje. Im Dünger, den man später aufs Feld führt, wohnen die Geister der Fruchtbarkeit und des Feldsegens. Diese ursprüngliche Anschauung ist mit der Zeit erloschen und die Düngerstätte wurde zum Tummelplatz der Hexen gemacht. Vrgl. die skatologischen Erzählungen Anthropophyteia IV (1907).

[52] Pogled u Bosnu ili kratak put u onu krajinu učinjen 1839–40 po jednom domorodcu. U Zagrebu 1842, S. 44 f. Anmerkung.

[53] Im alten Rom wurden am 1. Juni Weissdornruten und Wegedorn über Tür und Fenster angebracht, um alles Unheil (noxas) davon zu verscheuchen und vor allem die gespenstischen, eulengestaltigen Strigen, Geister der Krankheit und Auszehrung, die den Wiegenkindern die Eingeweide ausfressen, fernzuhalten. Vrgl. Ouid. Fast. VI. 129 ff.

[54] Die Deduktion, wieso gerade Krötenfett und Stutenbutter als Zaubersalben bezeichnet werden, ist einfach. Sie ergibt sich von selbst, wenn man sich die altheidnischen Vorstellungen über die Kröte und das Pferd als Opfertiere ins Gedächtnis ruft.

[55] Man vrgl. den ähnlichen Glauben bei Panzer (in den Beiträgen II. S. 302), wo von einem Sägeschmied in der Oberpfalz erzählt wird, dass er jedesmal, wenn er fieberte, einen Geisterbanner kommen liess, der die Türschwelle aushob, den Geist bannte und ihn in einen Weidenbaum einkeilte. In dem Keile steckt nach dem Volkglauben die Seele des Dämons. Am ersten Maitag, zu Pfingsten oder am Abend des 23. Juni findet in deutschen, westslavischen, französischen und anderen keltischen und romanischen Landschaften folgender Brauch statt: Man zieht in grosser Schar in den Wald, bringt grüne Büsche und junge Bäume, vorzugweise Birken oder Tannen mit heim, welche vor der Tür oder auf dem First des Hauses, auf die Düngerstätte oder vor dem Viehstall aufgepflanzt werden, und zwar hier gerne für jedes Stück Vieh (Pferde und Kühe) ein besonderes Bäumchen. Die Kühe sollen dadurch milchreich, die Hexen vertrieben werden. Vrgl. die reichen Nachweise bei Mannhardt a. a. O. S. 160 ff. Bei den Čechen lässt die Hausfrau am Palmsonntag Birken und Pimpernusszweige weihen, um damit am Kuhfeste die Kühe rückwärts aus dem Stalle zu treiben. (Reinsberg-Düringsfeld, Festkalender aus Böhmen S. 110.) Im Böhmerwalde schlägt man am 1. Mai das Vieh mit Birkengerten. Ein Schlag mit dieser Rute schützt ein Haustier das ganze Jahr vor tötlicher Verwundung. (E. Rank, Aus dem Böhmerwalde S. 127.) Auch bei den Ruthenen findet das Kälberquicken mit Birkenruten und Haferhalmen statt. In der Normandie schlägt man die Kühe, um sie milchreich zu machen, dreimal mit einer Haselrute auf die Seite. (De Nore, Coutumes, mythes et traditions p. 270.) Eine Hexe bekannte in Hessen 1596: »Wenn sie auf Wallburgtag eines Nachbarn Kue mit einem Rüdtlin in Teufels Namen geschlagen habe, sie das ganze Jahr über obige Kue melken könne. Solches Rüdtlin habe sie in ihrem Stalle stehen gehabt.« Weitere Nachweise ähnlicher Bräuche bei Mannhardt a. a. O. S. 272 ff. In der Altmark ziehen am Fastnachtabend die Knechte mit Musik von Hof zu Hof und stäupen mit Birkenreisern, fein nach der Ordnung zuerst die Hausfrau, dann die Töchter, zuletzt die Mägde. (Kuhn, Märkische Sagen, S. 307.) Die Birkenreiser sind die Lebensruten, mit denen man zu verschiedenen Zeiten Leute schlägt, damit es ihnen wohl ergehe. Wenn man die Hexen gleichfalls mit Birkenreisern schlägt, so will man dagegen den bösen Zauber aus ihnen herausschlagen. Vrgl. Mannhardt a. a. O. S. 251 ff. Wir erinnern in Bezug auf den erwähnten Brauch der Lebensrute an die südslavischen »mladijenci« (Verjüngungtag), die auf den 4. Tag nach dem Weihnachtabend fallen. Die Mutter schlägt ihre Kinder mit grünen Reisern und spricht dabei: »Lass das Böse und nimm das Gute! Lass Krankheit und Leid und ergreife die Gesundheit!« Vrgl. die ausführliche Schilderung bei Vrčević in »Tri glavne narodne svečanosti« Pančevo 1883. S. 19. Sehr wertvoll ist Friedrich Kunzes Monographie: Der Birkenbesen. Ein Symbol des Donars. Eine mythologische Untersuchung. Intern. Archiv f. Ethnogr. XIII. Leiden 1900. S. 88–97 u. 125–162.

[56] Der Glaube an die Zaubermacht der Mistel ist allen europäischen Völkern eigentümlich. Vrgl. Afanasijev, poetičeska vozrenia etc. II. 432–434. Simrock, Die Edda. S. 280–281. Kuhn, Herabk. des Feuers, 231 ff. — Im Altslav. heisst die Mistel омелникъ, in russ. und südslav. Dialekten omela (omelica, omelnica, imela, melnica, mela), čech. jmelí, poln. jemiola, lit. amalis, let. amuls. Wenn eine Mistel auf einer Haselstaude wächst, so haust in der Erde unter dieser Staude eine Schlange mit einer Demantenkrone, oder sie ist die Bewahrerin wer weiss was für unermesslicher Schätze.

[57] Der geheiligte Faden, der einen Wohnbezirk abgrenzt, schützt nach Analogie der Furche, die man in Pestzeiten um das ganze Dorf zieht, vor dem bösen Einfluss der Hexen. Ein weiteres Analogon erblicke ich in einem andern Glauben des südslavischen Bauern. Wenn er sich den Fuss verstaucht hat, oder er ihm geschwollen ist, so bindet er einen geweihten Faden unter Hersagung des Vaterunsers um den leidenden Fuss. Der Faden, der aus Flachs gesponnen sein muss, soll nach der uralten Auffassung den Krankheitdämon aus dem Fusse vertreiben. Verwandte Züge liessen sich in Menge noch anführen. Eine überaus reiche Zusammenstellung von Nachweisen über derartige Hegungen liefert F. Liebrecht, »Zur Volkkunde«, S. 305–310: »Der hegende Faden«.

[58] Man vrgl. dazu R. Andrees Umfrage: Hexenleiter, Am Ur-Quell, 1891, S. 92–93, 141–142, 157, und die serbischen Überlieferungen aus der Lika von Thomas Dragičević, S. 105 f.

[59] Die Verwandlung von Kohle in Gold ist ein in Märchen häufig wiederkehrender Zug. In einer Ortsage aus Warasdin wird ein Hirte von einem in einer alten Ruine hausenden Geist, sowie das Weib in unserer Sage beschenkt. Eine kleinrussische Erzählung berichtet, dass ein Menschenweib einmal einen neugebornen Lēši fand, mitleidig aufhob und in ein warmes Tuch einwickelte. Bald darauf kam die Lisunka, die Mutter des Kleinen, und beschenkte das Weib mit einem Topfe glühender Kohlen, die sich hinterher in Gold verwandelten. Dieselbe Geschichte von einem Holzweibchen in Thüringen bei Börner, Sagen des Orlagaus, S. 231. Ein indisches Seitenstück aus Dardistan im »Globus« XXIV. Nr. 21 von Leitner.

[60] Vrgl. in Bezug auf die weitere Ausführung dieses bekannten märchenhaften Zuges: Krauss, Südslavische Sagen und Märchen. S. 235 u. ff.