Ne bi jih ni kuga pomorila.Nicht einmal die Pest könnte sie (alle) hinraffen,

sagt der slavonische Bauer, wenn er ein Übel verwünscht, das er gern missen möchte, z. B. Heuschrecken, Raupen, Fliegen, die ihm lästig fallen.

Ne bi se čovjek ni okužio,(Daran) könnte ein Mensch nicht einmal pestkrank werden,

pflegt man einem Gast beispielweise zu sagen, wenn er wenig Speise und Trank zu sich nimmt und so den gastfreundlichen Hausherrn kränkt. Er isst nämlich so wenig, dass es ihm nicht einmal in dem Falle schaden würde, wenn die Speisen verpestet wären.[2]

Biži Rade, kuga mori!Fliehe Rade, die Pest würgt!

Wie mir im Jahre 1869 mein damaliger Lehrer, später Gymnasialdirektor in Essek, Herr Mato Gršković, erzählte, ist dies im chrowotischen Küstenlande ein geflügeltes Wort, das man gebraucht, wenn man irgend eine schlechte und unrichtige Erklärung lächerlich machen will. Folgende Anekdote liegt ihm zu Grunde. Pera und Rade, zwei tapfere chrowotische Grenzsoldaten, die kein Wort Italienisch verstanden, ergingen sich einmal im Jahre 1848 durch die Strassen Mailands. Da kam ihnen ein Grünzeugverkäufer entgegengerannt, der auf seinem Karren Hülsenfrüchte, Rettiche und Gurken feilbot und fortwährend aus voller Kehle schrie: »Bizi, rade, cucomeri!« — »Möchte gerne wissen, was der Mensch so furchtbar schreit,« sagte Rade, und Pera entgegnete: »Er spricht ja doch ganz verständlich: »Biži Rade, kuga mori!«« Da aber rannte Rade.

II. Die Pest in der Sage.

In Serbien spricht man in Zeiten, wo die Pest wütet, nur selten und mit Scheu ihren Namen »Kuga« aus, sondern nennt sie, gewissermassen um sie zu besänftigen und ihren Sinn milder zu stimmen »Kuma«, d. h. Godin oder Gevatterin. Ein anderer Name für die Pest ist ‘morija’,[3] die Mordung, die Mörderin. In Pestzeiten verbietet der Volkglaube, dass man über Nacht das Geschirr ungewaschen stehen lasse; denn die Pest kommt nachts ins Haus und sieht nach, ob alles rein sei; findet sie’s aber nicht rein, so zerkratzt sie die Löffel und Schüsseln und vergiftet sie. Personifiziert und in einem Druckwerk tritt uns, meines Wissens, die Pest bei den Südslaven zum erstenmal in einem Sendschreiben des dalmatischen Dichters Krunoslav Ivičević an seinen Freund P. G. Vinko Cima entgegen. Ich gebe hier die Stelle im Urtext und füge eine ziemlich getreue Übersetzung in Versen hinzu.

Gospodnjimi dojde mačonoša, Und es naht der Engel mit dem Schwerte,
A šnjim žena.... u njoj sreća loša; Und ein Unglückweib ist sein Gefährte.
Crna kosa holo zarugjena; Schwarz das Haar, in wirr zerzausten Zoten
Mutno čelo, tisno i lakomo; Finster, schmal die Stirn, sie starrt von Habgier,
5 Mačije oči, razbludna pogleda; Katzenäugig, Lüsternheit im Blicke,
Oštar nosić, pun zmijinja jeda. Spitz die Nase, voll von Schlangentücke.
Široka joj proždorita usta; Aufgesperrt der nimmersatte Rachen,
Žuto lice, nenavidno, suho; Gelb das Antlitz, voll von Neid und trocken,
Od ljenosti podavite ruke, Träge hängen ihr die Hände nieder
10 Zagalila suvokustne šljuke. Ganz entblösst sind ihre dürren Glieder.
Razgledav ju, velim sam u sebi: Sie betrachtend, sprach zu mir ich leise:
»Nu ti žene sedam smrtnih grjeha...!« »Welch ein Weib! Wie sieben Todessünden!«
Znatiželjan ja pitam joj druga: Neubegierig fragt’ ich den Geleiter:
»Ko je ova?« Odgovara: »Kuga!«... »Wer ist dies?« — »Die Pest.« — Ich forscht’ nicht weiter.