Es war einmal ein ausserordentlich reicher König, nur hatte er gar keine Kinder. Siebenmal verheiratete er sich und mit jeder Frau lebte er sieben Jahre, doch keine dieser Ehen war mit Nachkommenschaft gesegnet. Sobald sieben Jahre in der Ehe mit einer Frau verstrichen, ohne dass sie ein Kind gebar, liess er sie ohne weiteres hinrichten. Zuletzt gab er jeden Gedanken an eine neue Ehe auf, denn kein Frauenzimmer mehr mochte ihn zum Manne haben. Nun geschah es, dass er sich einmal auf der Jagd im Walde verirrte und bei dieser Gelegenheit ein Frauenzimmer fand. Mit ihr lebte er drei Jahre und zeugte mit ihr drei Töchter, doch alle drei Töchter kamen mit Bockfüssen zur Welt. Als die Mädchen erwachsen waren, gestand ihre Mutter dem König, sie sei der Teufel selbst, gestand’s und verschwand. Als dies der König nun erfuhr, sperrte er alle seine drei Töchter ins Gefängnis ein, wo sie die längste Zeit eingesperrt sassen. Da traf es sich, dass sich ein vorwitziger Mensch (ein Hofmann bei Ilić), im Glauben, die Mädchen seien wer weiss wie schön, auf irgend eine Art die Schlüssel zum Gefängnis verschaffte und die Mädchen freiliess. Sie ergriffen sogleich die Flucht und fingen an, überall die Menschen hinzuraffen. Es währte nicht lange und es gelangte die Kunde zu des Kaisers Ohren, die Pest wüte in seinem ganzen Reiche. Er liess sogleich alle Ärzte, die grössten Gelehrten kommen, damit sie sein Volk von der Plage befreiten, doch alle Mühe war vergebens, denn die Leute starben ununterbrochen Tag für Tag hin, so dass zuletzt der König allein am Leben blieb, und um das Strafgericht vollends über ihn hereinbrechen zu lassen, versank sein ganzes Reich in die Erde, und wo sich sein Reich befand, dehnt sich jetzt ein weites Meer aus. Seine drei Töchter aber begaben sich in drei verschiedene Weltteile, um dort zu morden. Weil es aber fünf Weltteile gibt, deshalb wechseln die Schwestern im Besuch der anderen zwei Weltteile ab. Doch sollte es sich durch einen Zufall fügen, dass diese drei Schwestern zusammenkommen, so wird sich unter ihnen ein Kampf entspinnen, in dem alle drei umkommen werden.
Dieselbe Sage kehrt in einem Volkliede wieder, das zwar in einem slavonischen Dörfchen, in Migalovci bei Požega aufgezeichnet wurde,[9] wie aber aus seinem Inhalte erhellt, aus Bosnien stammt.
»Sarajevo, o du Horst der Falken!
Sarajevo, deine Spur verschwinde!
In dir starben mir drei Herzensgüter.
Erstes Gut: die alte, teure Mutter,
5Die mich Jungen zärtlich auferzogen,
Auferzogen, an der Brust gesogen.
Zweites Gut: der waffentücht’ge Bruder,
Mit dem ich das Waffenhandwerk lernte,