Die oft aufgetischten Redensarten von den barbarischen, wilden Türkenhorden haben nur bedingt eine Berechtigung. Länder und Völker werden nicht erobert und nicht bezwungen durch zierlich gedrechselte Komplimente von Salonhelden ebenso wenig, als durch gelahrte Doktordissertationen. Der Krieg rast dahin auf ehernem Wagen. Den Weg, den er gewandelt, bezeichnen geknickte Menschenblüten, bleichendes Gebein und zu Trümmerhaufen umgewandelte Behausungen der Menschen. Ein grosser Krieg kommt seinen Folgen nach einem schrecklichen Naturereignis gleich, etwa einem Erdbeben, wie das von Krakataua, oder einer verheerenden Sintflut. Nach der Katastrophe erblüht auf Ruinen wieder neues Leben.

In weiteren Kreisen, besonders unter den Südslaven, hat sich wie ein verrotteter Aberglaube eine grosse Geringschätzung, wo nicht Verachtung, der orientalischen Kultur eingewurzelt, soweit letztere durch die Türken repräsentiert wird. Wenngleich die Türken auch keine grosse selbständige Kultur geschaffen, so war ihnen doch als den Erben arabischer und persischer und mittelbar selbst altägyptischer Kultur eine höchst wichtige Maklerrolle zwischen Orient und Okzident zugefallen.

Das Türkentum hat also auf die Südslaven in zwei Beziehungen einen segenreichen Einfluss ausgeübt, indem es einmal die Südslaven zu einem besonderen Kampf ums Dasein nötigte, das andere Mal dadurch, dass es ihnen die Bekanntschaft mit arabischer und persischer Industrie und Kunstfertigkeit vermittelt hat. Sowohl durch diese Reibungen und Konkurrenzen, als infolge der mannigfaltigen Kreuzungen, steigerte sich die durchschnittliche Intelligenz der Südslaven um ein Beträchtliches, die Art wurde verbessert und veredelt. Soweit ich Angehörige der verschiedenen slavischen Völker im persönlichen Umgang kennen gelernt, sind mir die Südslaven, namentlich die Serben und Bulgaren, als die schönsten an Wuchs und Gestalt erschienen. Ich will noch hinzufügen, dass sie geistig ausgezeichnet veranlagt sind und in dieser Hinsicht weder den Polen noch den Čechen im geringsten nachstehen, nur fehlt ihnen im Durchschnitt jene rastlose Beharrlichkeit und Schaffensfreude, die man getrost als charakteristische Merkmale der Čechen im Verhältnis zu den übrigen Slaven betrachten darf.

Die Südslaven lernten von ihren Herren, den Türken, die Fabrikation von Tüchern und Teppichen, von Sattelzeug und Waffen, von Hausgerätschaften und von noch unzähligen kleinen und grossen Dingen.[5] In der Baukunst ragten die türkischen Meister besonders durch kunstvolle Brücken und Festungbauten hervor.

Die Zähmung der Falken zur Jagd und auch zur Briefpost gehörte zur Türkenzeit bei den bosnisch-herzögischen Edelleuten zu den gewöhnlichen Beschäftigungen. Den Gebrauch der Jagdfalken finden wir öfter in Guslarenliedern besprochen, aber meines Wissens nur dreimal den Falken als Briefboten. Brieftauben scheint man nicht benutzt zu haben, zum mindesten nicht bei Moslimen. In einem Guslarenliede wird erzählt, wie Muškić Stjepan (Stefan der Moskauer) seinen Brief nach Udbina bestellt:

er rief darauf herbei den grauen Falken

und band ihm um den Hals das Briefchen fest,

und gab auf griechisch ihm sodann die Weisung:

— »Verweil mir nirgends und an keinem Orte

5eh’ du zur Burg des Burgherrn hingekommen,—