Und vom Liebchen trenn ich den Geliebten.«

Da nun hub Mariechen an zu flehen:

— »Tu mich junges Blut doch nicht ermorden,

Schon auch meinen Liebsten in der Ferne!«

25Gab die Pest, von Gott gesandt, zur Antwort:

»Hab den Liebsten dir schon längst gemordet,

Längst gemordet, d’ran schon fast vergessen.«

Als Mariechen dies vernahm, das Mädchen,

Sank sie leblos hin ins kühle Wasser.

Dagegen erfahren wir aus einer anderen Sage, die Pestschwestern müssten auf das Geheiss ihres Königs die Menschen heimsuchen; es ist ein unabänderlicher Schicksalbeschluss, dem sie sich fügen. In diesem Falle erinnern sie lebhaft an die griechischen Erynnien, die unter Umständen als Eumeniden, sowohl für einzelne, als für einen ganzen Stamm auftreten. Erfüllt man ihren Wunsch, so schonen sie den, der sich ihnen fügt, und suchen ihn und die Seinigen vom Verderben zu bewahren. Nur selten bricht die Pest ihr gegebenes Wort, doch nicht ungestraft, denn die Strafe folgt ihr auf dem Fusse. Von ihrer grossen Dankbarkeit erzählt eine Sage. Einst verfolgten Hunde die Pest und sie verwandelte sich schnell in ein Wiedengebünde, sonst hätten sie die Hunde zerrissen. Es war aber ein harter Winter und die Wieden froren fest ein. Nun kam ein Bauer des Weges, der benötigte eben Wieden und trug den Bund nach Hause. In der warmen Stube am Ofen taute die Pest auf, nahm ihre ursprüngliche Gestalt an, dankte dem Menschen für seine Barmherzigkeit, und seit jener Zeit, heisst es, schone sie gewöhnlich die Menschen und überfalle nur die Haustiere und selbst diese nicht mehr so häufig, wie ehedem.[13] Nach einer anderen Sage sind die Pest und die Todgöttin leibliche Schwestern, die einander ablösen, wenn die eine müde wird.[14]