Im Dorfe Mačkovac bei Pleternica ging ein Hirte nachts nach Hause und pfiff (fićuko), worauf ihn Hunde anfielen; er begann aber zu fluchen. Als er jedoch auf den Kreuzweg (krstopuće) kam, fiel ihn ein kleiner Hund (mali ćuko) an, der Bursche aber fing wieder zu fluchen an und je mehr er fluchte, desto heftiger griff ihn der Hund an und geleitete ihn bis nach Haus. Dieser Hund bellte jedoch nicht, sondern murrte (mrko) bloss und zerrte den Burschen. Dieser stieg auf den Stallboden hinauf, um zu schlafen, der Hund aber klomm ihm nach. Der Bursche fluchte wiederum, zuletzt aber starb er vor grossem Grauen und Entsetzen. In der Früh kam der Hausherr auf den Stallboden hinauf und weckte den Burschen, doch dieser erhob sich nicht mehr. Darauf begrub ihn der Hausherr. In der vierten Nacht kehrte der Diener zurück, warf in der Stube Staub herum und fluchte dem Hausvorstand, dessen Gesinde und der Frist, wo er zu diesen Leuten in Dienst getreten. Der Hausvorstand aber verfluchte (prokune) ihn, und so kehrte der Tote nimmer wieder zurück.

Häufig beschränken sich die Geister darauf, den Leuten die Köpfe einzuschlagen oder gar nur Schrecken einzujagen. Diese Kunststücke sind in neuerer Zeit durch die Spiritisten oder Medien auch bei uns salonfähig geworden. Es ist immer der alte Schwindel.

Mato Nikolčić in Pleternica erzählte meiner Mutter am 27. Dezember 1886 folgende Geschichte, die er miterlebt haben will. »Im Herbste des Jahres 1873 starb in Suljkovac (bei Pleternica) ein altes Weib, das am zweiten Abend nach ihrer Bestattung heimkehrte und Unfug (neprilika) trieb. Sie warf Steine gegen die Tür, schleuderte Staub herum, tobte und schreckte heillos die Leute. Der arme Hausvorstand war mit seinem Weibe und seinen Kindern so entsetzt darüber, dass er sich mit ihnen allein nicht mehr in der Stube zu schlafen getraute und so musste der Ärmste jede Nacht acht bis zehn Männer zu sich bitten, dass sie bei ihm nächtigten. Was hat er nur für Beleuchtung während der Zeit ausgeben müssen! Genützt hat es aber gar nichts. Das Gespenst warf mit Steinen herum, schlug dem einen Manne den Schädel ein, dem andern verletzte es arg die Hand, und so dauerte der Spuk beiläufig zehn Nächte lang. Jetzt ist nichts mehr davon zu hören« (Slavonien).

Koprivčević erzählte: »Im Dorfe Suljkovci (bei Pleternica) verstarb ein altes Weib. Schon am nächsten Tage kehrte sie zurück, obwohl die Sonne noch glänzend schien. Sofort warf die Tote mit Steinen. Darauf kletterte sie auf den Boden hinauf und bewarf durch die Dachbodenbretter die Hausleute mit Kukuruz und Bohnen. Sie hatte einen Eidam und eine Tochter. Die Leute überredeten ihre Tochter, sie möge ihre Mutter fragen, was sie suche. Als dann die Tochter die Frage stellte, zitterte sie am ganzen Leibe und wurde von der Mutter arg beworfen. Nur den Eidam liess die Tote vollständig in Ruhe. Einer von den Leuten schimpfte ihr unflätig Gott (jebem ti boga!). Da riss die Tote einen Stein aus der Mauer heraus und schlug dem Schmäher den Schädel ein und gleich begann ihm Blut aus dem Kopfe zu rinnen. Obwohl die Küchentür verriegelt war, warf die Tote lauter heisse Ziegel in die Stube hinein. Als ich anfing, sie zu beschwören (zaklinjat), schleuderte sie noch einen Stein gegen die Tür und kehrte nimmer wieder zurück.«

Derselbe erzählt: »Im Dorfe Komorica starb ein alter Mann, der kehrte allnächtlich wieder heim, und so oft er kam, warf er mit Bohnen und Erdäpfeln im Zimmer herum und schreckte die Leute und haute besonders den, der darüber zu fluchen anfing. Der Hausvorstand liess Messen lesen, berief den Pfarrer und den Kaplan, damit sie den Geist beschwören, doch blieb alles vergeblich, erst als ich den Geist beschwor (zaklinjo), ist er verschwunden und nimmer wiedergekommen.« Im Dorfe Suljkovci starb der Binder, kehrte aber nach der dritten Nacht wieder zurück und warf von da ab allnächtlich in der Küche alles durcheinander. Das gab jedesmal ein grosses Gepolter. In der Früh war trotzdem alles auf seiner Stelle und unversehrt. Erst als ich dort war und zu Gott betete, ist der Spuk verschwunden. In Pleternica ging einmal nachts ein Mann über den Bach, da plötzlich platzte und würgte »Es« ihn, folgte ihm nach Haus, »Es« kletterte auf den Boden hinauf und verursachte ein furchtbares Gepolter. Dann fiel es in die Stube wie ein Fässchen hinab, klomm auf den Tisch hinauf und zerschlug alle Gläser und Teller. Als man ein Licht anzündete, waren alle Gefässe auf dem Tische unversehrt. So ging es Nacht für Nacht. Als ich den Geist beschwor (zaklinjo), sprang er durchs Fenster, klopfte dreimal mit dem Schnällchen und ein schwarzer Kater (crni mačak) wimmerte (drečo), und nie erschien der Geist wieder.

Namenlose Sehnsucht Lebender nach geliebten Verstorbenen vermag auch die letzteren aus ihrer ewigen Ruhe für eine kurze Frist heraufzubeschwören, doch genügt die Sehnsucht ohne Zaubereien kaum oder gar nicht. Man formt das Bild oder die Gestalt des Toten aus Wachs oder einem andern Stoffe, bekleidet und benamt sie und setzt ihr unter Koseworten Speise und Trank vor. Solchem Rufe muss der Tote Folge leisten. Hierher gehört die auch unter den Südslaven allbekannte Leonorensage, von welcher ich hier eine noch nicht veröffentlichte Fassung, die wahrscheinlich aus einem ursprünglicheren Liede in ungebundene Rede aufgelöst wurde, mitteilen will. Im übrigen ist just diese Sage oft genug besprochen worden.[4]

Ein Bursche führte mit einem Mädchen eine Liebschaft und sie gedachten einander zu heiraten. Da starb plötzlich der Jüngling und wurde zum Werwolf (povukodlači se). Eines Nachts kam er zum Mädchen und sprach: »Komm mit mir, ich werde dich heiraten.« Und sie folgte ihm, eingedenk ihrer Abmachung mit ihm. Er schwang sich aufs Pferd und pflanzte sie hinter sich auf. Als er im Gebirge war, hub er an zu singen: »Der Mondschein scheint, ein Toter reitet ein Ross, o Mädchen, hast du eine Furcht?« (mjesečina sja, mrtvac konja jaha, jà djevojko, je li tebe strah?). So gelangten sie zum Grabe. Der Tote stieg vom Pferde ab und sagte zum Mädchen: »Tritt ein ins Haus!« Darauf das Mädchen: »Geh du voraus, dann folge ich, bis ich das eine und das andre geordnet habe.« Er legte sich ins Grab, sie aber hatte mehrere Knäuel Zwirn bei sich und reichte ihm ein Ende zum Abwickeln hinab. Er zog und zog, und so hielt sie ihn bis zum Morgengrauen hin und blieb am Leben (Bosnien, Drinagebiet).

Es lässt sich trotz der Monographie Šišmanovs nicht entscheiden, ob diese Sage nicht etwa eine Wandersage sei und vielleicht dem slavischen Boden gar nicht entstamme. War sie ursprünglich fremd, so fand sie doch unter den Südslaven einen gut vorbereiteten Boden vor, d. h. einen eng verwandten Glauben- und Sagenkreis, in den sie vollkommen hineinpasste. Man glaubt z. B., dass man im stande sei, nicht bloss einen Toten zurückzurufen, sondern auch einen Geist in eine Puppe hineinzubannen, und auf diese Weise aus der Puppe einen Menschen zu schaffen. So ist der Heilige Pantelija (Panteleimon) von zwei Schwestern, die keinen Bruder besassen, ins Dasein gezaubert worden. Der Heilige ist in die äusserst merkwürdige Lage zweifellos durch eine jüngere Umdichtung hineingeraten. Eines endgültigen Urteils muss ich mich hierin vorläufig enthalten. Nahe berührt sich mit dieser Sage jene von der einzigen Schwester, die, in weiter Fremde weilend, ihren Bruder zu sich auf Besuch herbeizaubert. Um Mariechens Hand warben Freier aus allen vier Weltgegenden. Die alte Mutter möchte ihr Kind an Elias aus dem Künstenlande vergeben, doch ihre neun Brüder und ihre neun Geschwisterkinder sind damit nicht einverstanden, sie reden dem Mädchen ab, um sie irgendwo hin in die weite Welt hinaus zu verschachern. Sie umschmeicheln sie und versprechen ihr ewige treue Freundschaft:

Und wenn du gehst nach unserm Belieben,

so werden wir gar häufig dich besuchen,