Selicour (laut). Ist's möglich? Die tausend Thaler, die ich ihr geschickt, sind also nicht angekommen?—Das thut mir in der Seele weh!—Was das doch für schlechte Anstalten sind auf diesen Posten— Die arme, gute Mutter! Was mag sie ausgestanden haben!

Mad. Belmont. Ja wohl! Man muß ihr helfen.

Selicour. Das versteht sich! Sogleich bitte ich den Minister um
Urlaub—es ist eine gerechte Forderung. Ich kann darauf bestehen—
Die Pflicht der Natur geht allen andern vor—Ich eile nach meinem
Ort—in acht Tagen ist alles abgethan!—Sie hat sich nicht in Paris
niederlassen wollen, wie sehr ich sie auch darum bat! Die liebe alte
Mutter hängt gar zu sehr an ihrem Geburtsort.

Robineau. So kann ich gar nicht aus ihr klug werden; denn zu uns sagte sie, sie wäre gern nach Paris gekommen, aber der Vetter habe es durchaus nicht haben wollen!

Selicour. Die gute Frau weiß selbst nicht immer, was sie will!— Aber sie nothleidend zu wissen—ach Gott! Das jammert mich und schneidet mir ins Herz.

Mad. Belmont. Ich glaub's Ihnen wohl, Herr Selicour! Aber Sie werden bald Rath geschafft haben. Ich gehe jetzt und lasse Sie mit Ihrem Vetter allein.—Glücklich ist die Gattin, die Sie einst besitzen wird. Ein so pflichtvoller Sohn wird gewiß auch ein zärtlicher Gatte werden! (Ab.)

Achter Auftritt.

Selicour und Robineau.

Robineau. Meiner Treu, Herr Vetter, ich bin ganz verwundert über Ihn —eine so herzliche Aufnahme hätt' ich mir gar nicht von Ihm erwartet. Der ist gar stolz und hochmüthig, hieß es, der wird dich gar nicht mehr erkennen!

Selicour (nachdem er wohl nachgesehen, ob Madame Belmont auch fort ist). Sage mir, du Esel! Was fällt dir ein, daß du mir hier so zur Unzeit über den Hals kommst!