Isabella.
Verborgner nicht war sie im Schooß der Erde!
Diego.
O, jetzt ergreift mich plötzlich bange Furcht.
Don Manuel.
Furcht, und worüber? Sage, was du weißt.
Diego.
Daß ich des Raubs unschuldig Ursach sei.
Isabella.
Unglücklicher, entdecke, was geschehn!
Diego.
Ich habe dir's verhehlt, Gebieterin,
Dein Mutterherz mit Sorgen zu verschonen.
Am Tage, als der Fürst beerdigt ward,
Und alle Welt, begierig nach dem Neuen,
Der ernsten Feier sich entgegendrängte,
Lag deine Tochter—denn die Kunde war
Auch in des Klosters Mauern eingedrungen—
Lag sie mir an mit unabläß'gem Flehn,
Ihr dieses Festes Anblick zu gewähren.
Ich Unglückseliger ließ mich bewegen,
Verhüllte sie in ernste Trauertracht,
Und also war sie Zeugin jenes Festes.
Und dort, befürcht' ich, in des Volks Gewühl,
Das sich herbeigedrängt von allen Enden,
Ward sie vom Aug des Räubers ausgespäht,
Denn ihrer Schönheit Glanz birgt keine Hülle.
Don Manuel (vor sich, erleichtert).
Glücksel'ges Wort, das mir das Herz befreit!
Das gleicht ihr nicht! Dies Zeichen triff nicht zu.
Isabella.
Wahnsinn'ger Alter! So verriethst du mich!
Diego.
Gebieterin! Ich dacht' es gut zu machen.
Die Stimme der Natur, die Macht des Bluts
Glaubt' ich in diesem Wunsche zu erkennen;
Ich hielt es für des Himmels eignes Werk,
Der mit verborgen ahnungsvollem Zuge
Die Tochter hintrieb zu des Vaters Grab!
Der frommen Pflicht wollt' ich ihr Recht erzeigen,
Und so, aus guter Meinung, schafft' ich Böses!
Don Manuel (vor sich).
Was steh' ich hier in Furcht und Zweifelsqualen?
Schnell will ich Licht mir schaffen und Gewißheit. (Will gehen.)