Malerei. Auch mich, Erhabne! wirst du nicht verkennen,
Die heitre Schöpferin der täuschenden Gestalt.
Von Leben blitzt es, und die Farben brennen
Auf meinem Tuch mit glühender Gewalt.
Die Sinne weiß ich lieblich zu betrügen,
Ja, durch die Augen täusch' ich selbst das Herz;
Mit des Geliebten nachgeahmten Zügen
Versüß' ich oft der Sehnsucht bittern Schmerz.
Die sich getrennt nach Norden und nach Süden,
Sie haben mich—und sind nicht ganz geschieden.
Poesie. Mich hält kein Band, mich fesselt keine Schranke,
Frei schwing' ich mich durch alle Räume fort.
Mein unermeßlich Reich ist der Gedanke,
Und mein geflügelt Werkzeug ist das Wort.
Was sich bewegt im Himmel und auf Erden,
Was die Natur tief im Verborgnen schafft,
Muß mir entschleiert und entsiegelt werden,
Denn nichts beschränkt die freie Dichterkraft;
Doch Schönres find' ich nichts, wie lang ich wähle,
Als in der schönen Form—die schöne Seele.
Musik (mit der Leier).
Der Töne Macht, die aus den Saiten quillet,
Du kennst sie wohl, du übst sie mächtig aus.
Was ahnungsvoll den tiefen Busen füllet,
Es spricht sich nur in meinen Tönen aus;
Ein holder Zauber spielt um deine Sinnen,
Ergieß' ich meinen Strom von Harmonien,
In süßer Wehmuth will das Herz zerrinnen,
Und von den Lippen will die Seele fliehn,
Und setz' ich meine Leiter an von Tönen,
Ich trage dich hinauf zum höchsten Schönen.
Tanz (mit der Cymbale).
Das hohe Göttliche, es ruht in ernster Stille,
Mit stillem Geist will es empfunden sein.
Das Leben regt sich gern in üpp'ger Fülle;
Die Jugend will sich äußern, will sich freun.
Die Freude führ' ich an der Schönheit Zügel,
Die gern die zarten Grenzen übertritt;
Dem schweren Körper geb' ich Zephyrs Flügel,
Das Gleichmaß leg' ich in des Tanzes Schritt.
Was sich bewegt, lenk' ich mit meinem Stabe,
Die Grazie ist meine schöne Gabe.
Schauspielkunst (mit einer Doppelmaske).
Ein Janusbild lass' ich vor dir erscheinen,
Die Freude zeigt es hier und hier den Schmerz.
Die Menschheit wechselt zwischen Lust und Weinen,
Und mit dem Ernste gattet sich der Scherz.
Mit allen seinen Tiefen, seinen Höhen
Roll' ich das Leben ab vor deinem Blick.
Wenn du das große Spiel der Welt gesehen,
So kehrst du reicher in dich selbst zurück;
Denn, wer den Sinn aufs Ganze hält gerichtet,
Dem ist der Streit in seiner Brust geschlichtet.
Genius. Und Alle, die wir hier vor dir erschienen,
Der hohen Künste heil'ger Götterkreis,
Sind wir bereit, o Fürstin, dir zu dienen.
Gebiete du, und schnell, auf dein Geheiß,
Wie Thebens Mauer beider Leier Tönen,
Belebt sich der empfindungslose Stein,
Entfaltet sich dir eine Welt des Schönen.
Architektur. Die Säule soll sich an die Säule reihn.
Sculptur. Der Marmor schmelzen unter Hammers Schlägen.
Malerei. Das Leben frisch sich auf der Leinwand regen.
Musik. Der Strom der Harmonieen dir erklingen.