Mutter. Ach, sie tritt aus Marmorhallen,
Aus dem goldnen Saal der Pracht.
Wir die Hohe sich gefallen
Hier, wo über freien Auen
Nur die goldne Sonne lacht?

Genius. Hirten, euch ist nicht gegeben,
In ein schönes Herz zu schauen!
Wissen ein erhabner Sinn
Legt das Große in das Leben,
Und er sucht es nicht darin.

Jüngling. O schöne Fremdlinge! lehrt uns sie binden,
O lehrt uns, ihr wohlgefällig sein!
Gern wollten wir ihr duft'ge Kränze winden
Und führten sie in unsre Hütten ein!

Genius. Ein schönes Herz hat bald sich heim gefunden,
Es schafft sich selbst, still wirkend, seine Welt.
Und wie der Baum sich in die Erde schlingt
Mit seiner Wurzeln Kraft und fest sich kettet,
So rankt das Edle sich, das Treffliche,
Mit seinen Thaten an das Leben an.
Schnell knüpfen sich der Liebe zarte Bande,
Wo man beglückt, ist man im Vaterlande.

Alle Landleute. O schöner Fremdling! sag, wie wir sie binden,
Die Herrliche, in unsern stillen Gründen?

Genius. Es ist gefunden schon, das zarte Band,
Nicht Alles ist ihr fremd in diesem Land;
Mich wird sie wohl und mein Gefolge kennen,
Wenn wir uns ihr verkündigen und nennen.

(Hier tritt der Genius bis ans Proszenium, die sieben Göttinnen thun das Gleiche, so daß sie ganz vorn einen Halbkreis bilden. In dem Augenblick, wo sie vortreten, enthüllen sie ihre Attribute, die sie bis jetzt unter den Gewändern verborgen gehalten.)

Genius (gegen die Fürstin).
Ich bin der schaffende Genius des Schönen,
Und die mir folget, ist der Künste Schaar.
Wir sind's, die alle Menschenwerke krönen,
Wir schmücken den Palast und den Altar.
Längst wohnten wir bei deinem Kaiserstamme,
Und sie, die Herrliche, die dich gebar,
Sie nährt uns selbst die heil'ge Opferflamme
Mit reiner Hand auf ihrem Hausaltar.
Wir sind dir nachgefolgt, von ihr gesendet;
Denn alles Glück wird nur durch uns vollendet.

Architektur (mit einer Mauerkrone auf dem Haupt, ein goldnes Schiff
in der Rechten).
Mich sahst du thronen an der Newa Strom!
Dein großer Ahnherr rief mich nach dem Norden,
Und dort erbaut' ich ihm ein zweites Rom;
Durch mich ist es ein Kaisersitz geworden.
Ein Paradies der Herrlichkeit und Größe
Stieg unter meiner Zauberruthe Schlag.
Jetzt rauscht des Lebens lustiges Getöse,
Wo vormals nur ein düstrer Nebel lag;
Die stolze Flottenrüstung seiner Maste
Erschreckt den alten Belt in seinem Meerpalaste.

Sculptur (mit einer Victoria in der Hand).
Auch mich hast du mit Staunen oft gesehen,
Die ernste Bildnerin der alten Götterwelt.
Auf einen Felsen—er wird ewig stehen—
Hab' ich sein großes Heldenbild gestellt;
Und dieses Siegesbild, das ich erschaffen, (die Victoria zeigend)
Dein hoher Bruder schwingt's in mächt'ger Hand;
Es fliegt einher vor Alexanders Waffen,
Er hat's auf ewig an sein Heer gebannt.
Ich kann aus Thon nur Lebenloses bilden,
Er schafft sich ein gesittet Volk aus Wilden.