Genius. Aber, still! da seh' ich Menschen,
Und sie scheinen hoch beglückt;
Reich mit Bändern und mit Kränzen,
Festlich ist der Baum geschmückt.
—Sind dies nicht der Freude Spuren?
Redet! Was begibt sich hier?
Vater. Hirten sind wir dieser Fluren,
Und ein Fest begehen wir.
Genius. Welches Fest? O lasset hören!
Mutter. Unsrer Königin zu Ehren,
Der erhabnen, gütigen,
Die in unser stilles Thal
Niederstieg, uns zu beglücken,
Aus dem hohen Kaisersaal.
Jüngling. Sie, die alle Reize schmücken,
Gütig, wie der Sonne Strahl.
Genius. Warum pflanzt ihr diesen Baum?
Jüngling. Ach, sie kommt aus fernem Land,
Und ihr Herz blickt in die Ferne!
Fesseln möchten wir sie gerne
An das neue Vaterland.
Genius. Darum grabt ihr diesen Baum
Mit den Wurzeln in die Erde,
Daß die Hohe heimisch werde
In dem neuen Vaterland?
Mädchen. Ach, so viele zarte Bande
Ziehen sie zum Jugendlande!
Alles, was sie dort verließ,
Ihrer Kindheit Paradies
Und den heil'gen Schooß der Mutter
Und das große Herz der Brüder
Und der Schwestern zarte Brust—
Können wir es ihr ersetzen?
Ist ein Preis in der Natur
Solchen Freuden, solchen Schätzen?
Genius. Liebe greift auch in die Ferne,
Liebe fesselt ja kein Ort.
Wie die Flamme nicht verarmet,
Zündet sich an ihrem Feuer
Eine andre wachsend fort—
Was sie Theures dort besessen,
Unverloren bleibt es ihr;
Hat sie Liebe dort verlassen,
Findet sie die Liebe hier.