SCHWARZER RITTER. Nichts kann dir, du Gewaltge, widerstehn,
In jedem Kampfe siegst du.—Aber gehe
In keinen Kampf mehr. Höre meine Warnung!
JOHANNA. Nicht aus den Händen leg ich dieses Schwert,
Als bis das stolze England niederliegt.
SCHWARZER RITTER. Schau hin! Dort hebt sich Reims mit seinen Türmen,
Das Ziel und Ende deiner Fahrt—die Kuppel
Der hohen Kathedrale siehst du leuchten,
Dort wirst du einziehn im Triumphgepräng,
Deinen König krönen, dein Gelübde lösen.
—Geh nicht hinein. Kehr um. Hör meine Warnung.
JOHANNA. Wer bist du, doppelzüngig falsches Wesen,
Das mich erschrecken und verwirren will?
Was maßest du dir an, mir falsch Orakel
Betrüglich zu verkündigen?
(Der schwarze Ritter will abgehen, sie tritt ihm in den Weg)
Nein, du stehst
Mir Rede, oder stirbst von meinen Händen!
(Sie will einen Streich auf ihn führen)
SCHWARZER RITTER (berührt sie mit der Hand, sie bleibt unbeweglich stehen). Töte, was sterblich ist! (Nacht, Blitz und Donnerschlag. Der Ritter versinkt)
JOHANNA (steht anfangs erstaunt, faßt sich aber bald wieder).
Es war nichts Lebendes.—Ein trüglich Bild
Der Hölle wars, ein widerspenstger Geist,
Heraufgestiegen aus dem Feuerpfuhl,
Mein edles Herz im Busen zu erschüttern.
Wen fürcht ich mit dem Schwerte meines Gottes?
Siegreich vollenden will ich meine Bahn,
Und käm die Hölle selber in die Schranken,
Mir soll der Mut nicht weichen und nicht wanken!
(Sie will abgehen)
DRITTER AUFZUG
Zehnter Auftritt
Lionel. Johanna
LIONEL. Verfluchte, rüste dich zum Kampf—Nicht beide
Verlassen wir lebendig diesen Platz.
Du hast die Besten meines Volks getötet,
Der edle Talbot hat die große Seele
In meinen Busen ausgehaucht.—Ich räche
Den Tapfern oder teile sein Geschick.
Und daß du wissest, wer dir Ruhm verleiht,
Er sterbe oder siege—Ich bin Lionel,
Der letzte von den Fürsten unsers Heers,
Und unbezwungen noch ist dieser Arm.
(Er dringt auf sie ein, nach einem kurzen Gefecht schlägt sie
ihm das Schwert aus der Hand)
Treuloses Glück! (Er ringt mit ihr)