Max.
Und glaubst du, daß du's ihm entreißen werdest?
Das denke ja nicht—Vater! Vater! Vater!
Ein unglückselig Amt ist dir geworden.
Dies Blatt hier—dieses! willst du geltendmachen?
Den Mächtigen in seines Heeres Mitte,
Umringt von seinen Tausenden, entwaffnen?
Du bist verloren—Du, wir alle sind's!

Octavio.
Was ich dabei zu wagen habe, weiß ich.
Ich stehe in der Allmacht Hand; sie wird
Das fromme Kaiserhaus mit ihrem Schilde
Bedecken und das Werk der Nacht zertrümmern.
Der Kaiser hat noch treue Diener, auch im Lager
Gibt es der braven Männer gnug, die sich
Zur guten Sache munter schlagen werden.
Die Treuen sind gewarnt, bewacht die andern,
Den ersten Schritt erwart ich nur, sogleich—

Max.
Auf den Verdacht hin willst du rasch gleich handeln?

Octavio.
Fern sei vom Kaiser die Tyrannenweise!
Den Willen nicht, die Tat nur will er strafen.
Noch hat der Fürst sein Schicksal in der Hand—
Er lasse das Verbrechen unvollführt,
So wird man ihn still vom Kommando nehmen,
Er wird dem Sohne seines Kaisers weichen.
Ein ehrenvoll Exil auf seine Schlösser
Wird Wohltat mehr als Strafe für ihn sein.
Jedoch der erste offenbare Schritt—

Max.
Was nennst du einen solchen Schritt? Er wird
Nie einen bösen tun.—Du aber könntest
(Du hast's getan) den frömmsten auch mißdeuten.

Octavio.
Wie strafbar auch des Fürsten Zwecke waren,
Die Schritte, die er öffentlich getan,
Verstatteten noch eine milde Deutung.
Nicht eher denk ich dieses Blatt zu brauchen,
Bis eine Tat getan ist, die unwidersprechlich
Der Hochverrat bezeugt und ihn verdammt.

Max.
Und wer soll Richter drüber sein?

Octavio.
Du selbst.

Max.
Oh! dann bedarf es dieses Blattes nie!
Ich hab dein Wort, du wirst nicht eher handeln,
Bevor du mich—mich selber überzeugt.

Octavio.
Ist's möglich? Noch—nach allem, was du weißt,
Kannst du an seine Unschuld glauben?