Die Räuber. Es ist ein Belials-Streich! Sag einer, wir seyen Schelmen! Nein bey allen Drachen! So bunt haben wirs nie gemacht!

Moor. Ja! und bey allen schröcklichen Seufzern derer, die jemals durch eure Dolche starben, derer, die meine Flamme fraß, und mein fallender Thurm zermalmte, eh' soll kein Gedanke von Mord oder Raub Platz finden in eurer Brust, bis euer aller Kleider von des Verruchten Blute scharlachroth gezeichnet sind — das hat euch wohl niemals geträumet, daß ihr der Arm höherer Majestäten seyd? Der verworrene Knäuel unsers Schicksals ist aufgelöst! Heute, heute hat eine unsichtbare Macht unser Handwerk geadelt! Betet an vor dem, der euch dies erhabene Loos gesprochen, der euch hieher geführt, der euch gewürdiget hat, die schröcklichen Engel seines finstern Gerichts zu seyn! Entblöset eure Häupter! Knieet hin in den Staub, und stehet geheiliget auf! (sie knieen.)

Schweizer. Gebeut, Hauptmann! was sollen wir thun?

Moor. Steh auf, Schweizer! Und rühre diese heilige Locken an! (Er führt ihn zu seinem Vater, und giebt ihm eine Locke in die Hand.) Du weißt noch, wie du einsmals jenem böhmischen Reuter den Kopf spaltetest, da er eben den Säbel über mich zuckte, und ich athemlos und erschöpft von der Arbeit in die Kniee gesunken war? dazumal verhieß ich dir eine Belohnung, die königlich wäre, ich konnte diese Schuld bisher niemals bezahlen. —

Schweizer. Das schwurst du mir, es ist wahr, aber laß mich dich ewig meinen Schuldner nennen!

Moor. Nein, itzt will ich bezahlen. Schweizer, so ist noch kein Sterblicher geehrt worden wie du! — Räche meinen Vater! (Schweizer steht auf.)

Schweizer. Großer Hauptmann! heute hast du mich zum erstenmal stolz gemacht! — Gebeut, wo, wie, wann soll ich ihn schlagen?

Moor. Die Minuten sind geweiht, du must eilends gehn — lies dir die Würdigsten aus der Bande, und führe sie gerade nach des Edelmanns Schloß! zerr ihn aus dem Bette, wenn er schläft, oder in den Armen der Wollust liegt, schlepp ihn vom Mahle weg, wenn er besoffen ist, reiß ihn vom Kruzifix, wenn er betend vor ihm auf den Knieen liegt! Aber ich sage dir, ich schärf es dir hart ein, liefr' ihn mir nicht todt! dessen Fleisch will ich in Stücken reissen, und hungrigen Geiern zur Speise geben, der ihm nur die Haut ritzt, oder ein Haar kränkt! Ganz muß ich ihn haben, und wenn du ihn ganz und lebendig bringst, so sollst du eine Million zur Belohnung haben, ich will sie einem Könige mit Gefahr meines Lebens stehlen, und du sollst frey ausgehn, wie die weite Luft — hast du mich verstanden, so eile davon!

Schweizer. Genug, Hauptmann — hier hast du meine Hand darauf: Entweder, du siehst zwey zurückkommen, oder gar keinen. Schweizers Würgengel kommt! (ab mit einem Geschwader.)