D. a. Moor. Bist du kommen, Hohngelächter anzustimmen über meinem Jammer?
R. Moor. Verrätherisches Gewissen! — Merket nicht auf meine Rede!
D. a. Moor. Ja, ich hab einen Sohn gequält, und ein Sohn mußte mich wieder quälen, das ist Gottes Finger. — O mein Karl! mein Karl! wenn du um mich schwebst, im Gewand des Friedens! Vergib mir! O vergib mir!
R. Moor (schnell.) Er vergibt euch. (Betroffen.) Wenn er's werth ist, euer Sohn zu heissen — Er muß euch vergeben.
D. a. Moor. Ha! Er war zu herrlich für mich — Aber ich will ihm entgegen mit meinen Thränen, meinen schlaflosen Nächten, meinen quälenden Träumen, seine Kniee will ich umfassen — rufen — laut rufen: Ich hab gesündigt im Himmel und vor dir. Ich bin nicht werth, daß du mich Vater nennst.
R. Moor (sehr gerührt.) Er war euch lieb, euer andrer Sohn?
D. a. Moor. Du weißt es, o Himmel. Warum ließ ich mich doch durch die Ränke eines bösen Sohnes bethören? Ein gepriesener Vater ging ich einher unter den Vätern der Menschen. Schön um mich blühten meine Kinder voll Hoffnung. Aber — o der unglückseligen Stunde! — der böse Geist fuhr in das Herz meines zweyten, ich traute der Schlange — verloren meine Kinder beyde. (Verhüllt sich das Gesicht.)
Moor (geht weit von ihm weg.) Ewig verloren!
D. a. Moor. O, ich fühl es tief, was mir Amalia sagte, der Geist der Rache sprach aus ihrem Munde. Vergebens ausstrecken deine sterbenden Hände wirst du nach einem Sohn, vergebens wähnen zu umfassen die warme Hand deines Karls, der nimmermehr an deinem Bette steht —