D. a. Moor. Fremdling! Fremdling! Warum zogst du mich aus dem Thurme?
R. Moor. Und wie? — Wenn ich jetzt seinen Segen weghaschte — haschte wie ein Dieb, und mich davon schliche mit der göttlichen Beute? — Vatersegen, sagt man, geht niemals verloren.
D. a. Moor. Auch mein Franz verloren? —
R. Moor (stürzt vor ihm nieder.) Ich zerbrach die Riegel deines Thurms — Gib mir deinen Segen.
D. a. Moor (mit Schmerz.) Daß du den Sohn vertilgen mußtest, Retter des Vaters! — Siehe, die Gottheit ermüdet nicht im Erbarmen, und wir armseligen Würmer gehen schlafen mit unserm Groll (legt seine Hand auf des Räubers Haupt.) Sey so glücklich, als du dich erbarmest.
R. Moor (weichmüthig aufstehend.) O — wo ist meine Mannheit? Meine Sehnen werden schlapp, der Dolch sinkt aus meinen Händen.
D. a. Moor. Wie köstlich ist's, wenn Brüder einträchtig beysammen wohnen, wie der Thau, der vom Hermon fällt auf die Berge Zion — Lern diese Wollust verdienen, junger Mann, und die Engel des Himmels werden sich sonnen in deiner Glorie. Deine Weisheit sey die Weisheit der grauen Haare, aber dein Herz — dein Herz sey das Herz der unschuldigen Kindheit.
R. Moor. O einen Vorschmack dieser Wollust! Küsse mich, göttlicher Greis!
D. a. Moor (küßt ihn.) Denk, es sey Vaterskuß, so will ich denken, ich küsse meinen Sohn — du kannst auch weinen?
R. Moor. Ich dacht', es sei Vaterskuß! — Weh mir, wenn sie ihn jetzt brächten!