Herrmann. Acht Tage d'rauf war das heiße Treffen bey Prag — ich darf euch sagen, euer Sohn hat sich gehalten wie ein wackerer Kriegsmann. Er that Wunder vor den Augen der Armee. Fünf Regimenter mußten neben ihm wechseln, er stand. Feuerkugeln fielen rechts und links, euer Sohn stand. Eine Kugel zerschmetterte ihm die rechte Hand, euer Sohn nahm die Fahne in die linke, und stand —

Amalia (in Entzückung.) Hektor, Hektor! hört ihr's? er stand —

Herrmann. Ich traf ihn am Abend der Schlacht niedergesunken unter Kugel-Gepfeiffe, mit der linken hielt er das stürzende Blut, die rechte hatte er in die Erde gegraben. Bruder! rief er mir entgegen, es lief ein Gemurmel durch die Glieder: der General sey vor einer Stunde gefallen — er ist gefallen, sagt' ich, und du? — Nun, wer ein braver Soldat ist, rief er, und ließ die linke Hand los, der folge seinem General, wie ich! Bald darauf hauchte er seine grose Seele dem Helden zu.

Franz (wild auf Herrmann losgehend.) Daß der Tod deine verfluchte Zunge versiegle! Bist du hieher kommen, unserem Vater den Todesstos zu geben? — Vater! Amalia! Vater!

Herrmann. Es war der letzte Wille meines sterbenden Kameraden. Nimm diß Schwerdt, röchelte er, du wirst's meinem alten Vater überliefern, das Blut seines Sohnes klebt daran, er ist gerochen, er mag sich weiden. Sag ihm, sein Fluch hätte mich gejagt in Kampf und Tod, ich sey gefallen in Verzweiflung! Sein letzter Seufzer war Amalia.

Amalia (wie aus einem Todesschlummer aufgejagt.) Sein letzter Seufzer, Amalia!

D. a. Moor (Gräßlich schreyend, sich die Haare ausraufend.) Mein Fluch ihn gejagt in den Tod! gefallen in Verzweiflung!

Franz (umherirrend im Zimmer.) Oh! Was habt ihr gemacht, Vater? Mein Karl, mein Bruder!

Herrmann. Hier ist das Schwerdt, und hier ist auch ein Portrait, das er zu gleicher Zeit aus dem Busen zog! Es gleicht diesem Fräulein auf ein Haar. Diß soll meinem Bruder Franz, sagte er, — ich weiß nicht, was er damit sagen wollte.

Franz (wie erstaunt.) Mir? Amalia's Portrait? Mir, Karl, Amalia? Mir?