Spiegelberg. Ich will nicht hoffen.
Razmann. Sans Spaß! und sie schämen sich nicht unter ihm zu dienen. Er mordet nicht um des Raubes willen wie wir — nach dem Geld schien er nicht mehr zu fragen, so bald ers vollauf haben konnte, und selbst sein Drittheil an der Beute, das ihn von Rechtswegen trifft, verschenkt er an Waisenkinder, oder läßt damit arme Jungen von Hoffnung studiren. Aber soll er dir einen Landjunker schröpffen, der seine Bauern wie das Vieh abschindet, oder einen Schurken mit goldnen Borden unter den Hammer kriegen, der die Gesetze falschmünzt, und das Auge der Gerechtigkeit übersilbert, oder sonst ein Herrchen von dem Gelichter — Kerl! da ist er dir in seinem Element, und haußt teufelmäßig, als wenn jede Faser an ihm eine Furie wäre.
Spiegelberg. Hum! hum!
Razmann. Neulich erfuhren wir im Wirthshaus, daß ein reicher Graf von Regensburg durchkommen würde, der einen Proceß von einer Million durch die Pfiffe seines Advokaten durchgesetzt hätte, er saß eben am Tisch und brettelte, — wie viel sind unserer? frug er mich, indem er hastig aufstand, ich sah ihn die Unterlippe zwischen die Zähne klemmen, welches er nur thut, wenn er am grimmigsten ist — nicht mehr als fünf! sagt' ich — es ist genug! sagt' er, warf der Wirthinn das Geld auf den Tisch, ließ den Wein, den er sich hatte reichen lassen, unberührt stehen — wir machten uns auf den Weg. Die ganze Zeit über sprach er kein Wort, lief abseitwärts und allein, nur daß er uns von Zeit zu Zeit fragte, ob wir noch nichts gewahr worden wären, und uns befahl das Ohr an die Erde zu legen. Endlich so kommt der Graf hergefahren, der Wagen schwer bepakt, der Advokat saß bey ihm drinn, voraus ein Reuter, nebenher ritten zwey Knechte — da hättest du den Mann sehen sollen, wie er, zwey Terzerolen in der Hand, vor uns her auf den Wagen zusprang! und die Stimme, mit der er rief: Halt! — der Kutscher, der nicht Halt machen wollte, mußte vom Bock herabtanzen, der Graf schoß aus dem Wagen in den Wind, die Reuter flohen — dein Geld, Kanaille! rief er donnernd — er lag wie ein Stier unter dem Beil — und bist du der Schelm, der die Gerechtigkeit zur feilen Hure macht? Der Advokat zitterte, daß ihm die Zähne klapperten, — der Dolch stak in seinem Bauch wie ein Pfahl in dem Weinberg — ich habe das meine gethan! rief er, und wandte sich stolz von uns weg, das Plündern ist eure Sache. Und somit verschwand er in den Wald —
Spiegelberg. Hum, hum! Bruder, was ich dir vorhin erzählt habe, bleibt unter uns, er brauchts nicht zu wissen. Verstehst du?
Razmann. Recht, recht! ich versteh.
Spiegelberg. Du kennst ihn ja! Er hat so seine Grillen. Du verstehst mich.
Razmann. Ich versteh, ich versteh.
Schwarz (in vollem Lauf.)
Razmann. Wer da? was gibts da? Passagiers im Wald?