Sie liebt mich, sie liebt mich! — ihr ganzes Wesen fieng an, sich zu empören, verrätherisch rollten die Thränen von ihren Wangen. Sie liebt mich! — Elender, das verdientest du um sie! Steh ich nicht hier wie ein Gerichteter vor dem tödlichen Block? Ist das der Sopha, wo ich an ihrem Halse in Wonne schwamm? Sind das die väterlichen Säle? (Ergriffen vom Anblick seines Vaters.) Du, du — Feuerflammen aus deinem Auge — Fluch, Fluch, Verwerfung! — wo bin ich? Nacht vor meinen Augen — Schrecknisse Gottes — Ich, ich hab ihn getödtet! (Er rennt davon.)
Franz von Moor in tiefen Gedanken.
Weg mit diesem Bild! weg, feige Memme! was zagst du und vor wem? ist mir's nicht die wenige Stunden, die der Graf in diesen Mauren wandelt, als schlich immer ein Spion der Hölle meinen Fersen nach — Ich sollt' ihn kennen! Es ist so was groses und oft gesehenes in seinem wilden sonnverbrannten Gesicht, das mich beben macht — auch Amalia ist nicht gleichgültig gegen ihn! Läßt sie nicht so gierig schmachtende Blicke auf dem Kerl herumkreuzen, mit denen sie doch gegen alle Welt sonst so geitzig thut? — Sah ich's nicht, wie sie ein paar diebische Thränen in den Wein fallen ließ, den er hinter meinem Rücken so hastig in sich schlürfte, als wenn er das Glas mit hineinziehen wollte. Ja, das sah ich, durch den Spiegel sah ich's mit diesen meinen Augen. Holla Franz! siehe dich vor! dahinter steckt irgend ein Verderbenschwangeres Ungeheuer!
(Er steht forschend dem Porträt Karls gegenüber.) Sein langer Gänsehals — seine schwarzen feuerwerfenden Augen, hm! hm! — sein finsteres überhangendes buschichtes Augenbraun. (Plötzlich zusammen fahrend.) — Schadenfrohe Hölle! jagst du mir diese Ahnung ein? Es ist Karl! ja itzt werden mir alle Züge wieder lebendig — Er ist's! trotz seiner Larve! — Er ist's — trotz seiner Larve! — Er ist's — Tod und Verdammniß! (auf und ab mit heftigen Schritten.) Hab ich darum meine Nächte verpraßt, — darum Felsen hinweggeräumt, und Abgründe eben gemacht — bin ich darum gegen alle Instinkte der Menschheit rebellisch worden, daß mir zuletzt dieser unstete Landstreicher durch meine künstlichsten Wirbel tölple — Sachte! Nur sachte! Es ist nur noch Spielarbeit übrig — Bin ich doch ohnehin schon bis an die Ohren in Todsünden gewatet, daß es Unsinn wäre, zurückzuschwimmen, wenn das Ufer schon so weit hinten liegt — Ans Umkehren ist doch nicht mehr zu gedenken — die Gnade selbst würde an den Bettelstab gebracht, und die unendliche Erbarmung bankerott werden, wenn sie für meine Schulden all gut sagen wollte — Also vorwärts wie ein Mann — (Er schellt.) — Er versammle sich zu dem Geist seines Vaters und komme, der Todten spott' ich. — Daniel, he Daniel! — Was gilts, den haben sie auch schon gegen mich aufgewiegelt! Er sieht so geheimnißvoll.
Daniel (kommt.)
Daniel. Was steht zu Befehl, mein Gebieter?
Franz. Nichts. Fort, fülle diesen Becher Wein, aber hurtig! (Daniel ab.) Wart Alter! dich will ich fangen, ins Auge will ich dich fassen, so starr, daß dein getroffenes Gewissen durch die Larve erblassen soll! Er soll sterben! — Der ist ein Stümper, der sein Werk nur auf die Helfte bringt, und dann weg geht, und müßig zugafft, wie es weiter damit werden wird.
Daniel (mit Wein.)
Franz. Stell ihn hieher! Sieh mir fest ins Auge! wie deine Kniee schlottern! Wie du zitterst! Gesteh Alter! Was hast du gethan?
Daniel. Nichts, gnädiger Herr, so wahr Gott lebt, und meine arme Seele.