Ich fliehe aus diesen Mauren. Der geringste Verzug könnte mich wüthig machen, und er ist meines Vaters Sohn — Bruder, Bruder! Du hast mich zum Elendesten auf Erden gemacht, ich habe dich niemals beleidigt, es war nicht brüderlich gehandelt — Erndte die Früchte deiner Unthat in Ruhe, meine Gegenwart soll dir den Genuß nicht länger vergällen — aber gewiß, es war nicht brüderlich gehandelt. Finsterniß verlösche sie auf ewig, und der Tod rühre sie nicht auf!
Kosinsky.
Kosinsky. Die Pferde stehn gesattelt, ihr könnt aufsitzen, wann ihr wollt.
Moor. Presser, Presser! Warum so eilig? Soll ich sie nicht mehr sehn?
Kosinsky. Ich zäume gleich wieder ab, wenn ihr's haben wollt, ihr hießt mich ja über Hals und Kopf eilen.
Moor. Noch einmal! ein Lebewohl noch! ich muß den Gifttrank dieser Seeligkeit vollends ausschlürfen, und dann — halt Kosinsky! Zehn Minuten noch — hinten am Schloßhof — und wir sprengen davon!
Vierte Scene.
Im Garten.
Amalia.
Du weinst Amalia? — und das sprach er mit einer Stimme! mit einer Stimme — mir wars, als ob die Natur sich verjüngete — die genossenen Lenze der Liebe dämmerten auf mit der Stimme! Die Nachtigall schlug wie damals — die Blumen hauchten wie damals — und ich lag Wonne-berauscht an seinem Hals — Ha falsches treuloses Herz! Wie du deinen Meineid beschönigen willst! Nein, nein, weg aus meiner Seele, du Frevel-Bild — ich hab' meinen Eid nicht gebrochen, du Einziger! Weg aus meiner Seele, ihr verrätherischen gottlosen Wünsche! im Herzen, wo Karl herrscht, darf kein Erdensohn nisten — Aber warum, meine Seele, so immer, so wider Willen nach diesem Fremdling? Hängt er sich nicht so hart an das Bild meines Einzigen? Ist er nicht der ewige Begleiter meines Einzigen? Du weinst Amalia? — Ha ich will ihn fliehen! — fliehen! — Nimmer sehen soll mein Aug' diesen Fremdling!