Räuber Moor (öffnet die Gartenthüre.)
Amalia (fährt zusammen.) Horch! horch! Rauschte die Thüre nicht? (Sie wird Karln gewahr, und springt auf.) Er? — wohin? — was? — da hat mich's angewurzelt, daß ich nicht fliehen kann — Verlaß mich nicht, Gott im Himmel! — Nein du sollst mir meinen Karl nicht entreissen! Meine Seele hat nicht Raum für zwey Gottheiten, und ich bin ein sterbliches Mädchen! (Sie nimmt Karls Bild heraus.) Du, mein Karl, sey mein Genius wider diesen Fremdling, den Liebestörer! dich, dich ansehen, unverwandt, — und weg alle gottlosen Blicke nach diesem (sie sitzt stumm — das Auge starr auf das Bild geheftet.)
Moor. Sie da, gnädiges Fräulein? — und traurig? und eine Thräne auf diesem Gemählde? — (Amalia gibt ihm keine Antwort.) — Und wer ist der Glückliche, um den sich das Aug' eines Engels versilbert? darf auch ich diesen Verherrlichten — (er will das Gemählde betrachten.)
Amalia. Nein, ja, nein!
Moor (zurückfahrend.) Ha! — und verdient er diese Vergötterung? verdient er? —
Amalia. Wenn Sie ihn gekannt hätten!
Moor. Ich würd' ihn beneidet haben.
Amalia. Angebetet, wollen Sie sagen.
Moor. Ha!
Amalia. Oh Sie hätten ihn so lieb gehabt — es war so viel, so viel in seinem Angesicht — in seinen Augen — im Ton seiner Stimme, das Ihnen so gleich kommt — das ich so liebe —