Moor (sieht zur Erde.)
Amalia. Hier, wo Sie stehen, stand er tausendmal — und neben ihm die, die neben ihm Himmel und Erde vergaß — hier durchirrte sein Aug' die um ihn prangende Gegend — sie schien den großen belohnenden Blick zu empfinden, und sich unter dem Wohlgefallen ihres Meisterbilds zu verschönern — hier hielt er mit himmlischer Musik die Hörer der Lüfte gefangen — hier an diesem Busch pflückte er Rosen, und pflückte die Rosen für mich — hier hier lag er an meinem Halse, brannte sein Mund auf dem meinen, und die Blumen starben gern unter der Liebenden Fußtritt —
Moor. Er ist nicht mehr?
Amalia. Er seegelt auf ungestümen Meeren — Amalia's Liebe seegelt mit ihm — er wandelt durch ungebahnte sandigte Wüsten — Amalia's Liebe macht den brennenden Sand unter ihm grünen, und die wilden Gesträuche blühen — der Mittag sengt sein entblößtes Haupt, nordischer Schnee schrumpft seine Sohlen zusammen, stürmischer Hagel regnet um seine Schläfe, und Amalia's Liebe wiegt ihn in Stürmen ein — Meere und Berge und Horizonte zwischen den Liebenden — aber die Seelen versetzen sich aus dem staubigten Kerker, und treffen sich im Paradiese der Liebe — Sie scheinen traurig, Herr Graf?
Moor. Die Worte der Liebe machen auch meine Liebe lebendig.
Amalia. (blaß.) Was? Sie lieben eine andre? — Weh mir, was hab ich gesagt?
Moor. Sie glaubte mich todt, und blieb treu dem Todtgeglaubten — sie hörte wieder, ich lebe, und opferte mir die Krone einer Heiligen auf. Sie weiß mich in Wüsten irren, und im Elend herumschwärmen, und ihre Liebe fliegt durch Wüsten und Elend mir nach. Auch heißt sie Amalia, wie Sie, gnädiges Fräulein.
Amalia. Wie beneid' ich Ihre Amalia!
Moor. O sie ist ein unglückliches Mädchen, ihre Liebe ist für einen, der verloren ist, und wird — ewig niemals belohnt.