Lady. Weil du erst heute mit mir bekannt wirst?—Es ist wahr, liebe Sophie—ich habe dem Fürsten meine Ehre verkauft; aber mein Herz habe ich frei behalten—ein Herz, meine Gute, das vielleicht eines Mannes noch werth ist—über welches der giftige Wind des Hofes nur wie der Hauch über den Spiegel ging—Trau' es mir zu, meine Liebe, daß ich es längst gegen diesen armseligen Fürsten behauptet hätte, wenn ich es nur von meinem Ehrgeiz erhalten könnte, einer Dame am Hof den Rang vor mir einzuräumen.
Sophie. Und dieses Herz unterwarf sich dem Ehrgeiz so gern?
Lady (lebhaft). Als wenn es sich nicht schon gerächt hätte?—Nicht jetzt noch rächte?—Sophie! (Bedeutend, indem sie die Hand auf Sophiens Achsel fallen läßt.) Wir Frauenzimmer können nur zwischen Herrschen und Dienen wählen, aber die höchste Wonne der Gewalt ist doch nur ein elender Behelf, wenn uns die größere Wonne versagt wird, Sklavinnen eines Mannes zu sein, den wir lieben.
Sophie. Eine Wahrheit, Milady, die ich von Ihnen zuletzt hören wollte!
Lady. Und warum, meine Sophie? Sieht man es denn dieser kindischen
Führung des Scepters nicht an, daß wir nur für das Gängelband taugen?
Sahst du es denn diesem launischen Flattersinn nicht an—diesen
wilden Ergötzungen nicht an, daß sie nur wildere Wünsche in meiner
Brust überlärmen sollten?
Sophie (tritt erstaunt zurück). Lady!
Lady (lebhafter). Befriedige diese! Gib mir den Mann, den ich jetzt
denke—den ich anbete—sterben, Sophie, oder besitzen muß.
(Schmelzend.) Laß mich aus seinem Mund es vernehmen, daß Thränen der
Liebe schöner glänzen in unsern Augen, als die Brillanten in unserm
Haar, (feurig) und ich werfe dem Fürsten sein Herz und sein
Fürstenthum vor die Füße, fliehe mit diesem Mann, fliehe in die
entlegenste Wüste der Welt-Sophie (blickt sie erschrocken an).
Himmel! Was machen Sie? Wie wird Ihnen, Lady?
Lady (bestürzt). Du entfärbst dich?—Hab' ich vielleicht etwas zu viel gesagt? O so laß mich deine Zunge mit meinem Zutrauen binden—höre noch mehr—höre Alles-Sophie (schaut sich ängstlich um). Ich fürchte, Milady—ich fürchte—ich brauch' es nicht mehr zu hören.
Lady. Die Verbindung mit dem Major—Du und die Welt stehen im Wahn, sie sei eine Hof-Kabale—Sophie—erröthe nicht—schäme dich meiner nicht—sie ist das Werk—meiner Liebe!
Sophie. Bei Gott! Was mir ahnete!