Luise (springt auf). Büberei, wie noch keine erhört worden! An wen ist der Brief?
Wurm. An den Henker Ihres Vaters.
Luise (die Hände ringend, auf und nieder). Nein! nein! nein! das ist tyrannisch, o Himmel! Strafe Menschen menschlich, wenn sie dich reizen, aber warum mich zwischen zwei Schrecknisse pressen? Warum zwischen Tod und Schande mich hin und her wiegen? Warum diesen blutsaugenden Teufel mir auf den Nacken setzen?—Macht, was ihr wollt. Ich schreibe das nimmermehr.
Wurm (greift nach dem Hut). Wie Sie wollen, Mademoiselle! Das steht ganz in Ihrem Belieben.
Luise. Belieben, sagen Sie? In meinem Belieben?—Geh, Barbar! Hänge einen Unglücklichen über dem Abgrund der Hölle aus, bitt' ihn um etwas, und lästre Gott, und frag' ihn, ob es ihm beliebe?—O du weißt allzu gut, daß unser Herz an natürlichen Trieben so fest als an Ketten liegt—Nunmehr ist Alles gleich. Dictieren Sie weiter! Ich denke nichts mehr. Ich weiche der überlistenden Hölle. (Sie setzt sich zum zweitenmal.)
Wurm. "Den ganzen Tag wie ein Argus hütet"—Haben Sie das?
Luise. Weiter! weiter!
Wurm. "Wir haben gestern den Präsidenten im Haus gehabt. Es war possierlich zu sehen, wie der gute Major um meine Ehre sich wehrte"-Luise. O schön, schön! o herrlich!—Nur immer fort.
Wurm. "Ich nahm meine Zuflucht zu einer Ohnmacht—zu einer
Ohnmacht—daß ich nicht laut lachte"
Luise. O Himmel!