Luise (etwas empfindlich). Miller nennt sich mein Vater, und Ihro
Gnaden schickten nach seiner Tochter.
Lady. Recht! Recht! ich entsinne mich—die arme Geigerstochter, wovon neulich die Rede war. (Nach einer Pause vor sich.) Seht interessant, und doch keine Schönheit—(Laut zu Luisen.) Treten Sie näher, mein Kind. (Wieder vor sich.) Augen, die sich im Weinen übten—Wie lieb' ich sie, diese Augen! (Wiederum laut.) Nur näher—Nur ganz nah—Gutes Kind, ich glaube, du fürchtest mich?
Luise (groß, mit entschiedenem Ton). Nein, Milady. Ich verachte das
Urtheil der Menge.
Lady (vor sich). Sieh doch! und diesen Trotzkopf hat sie von ihm. (Laut.) Man hat Sie mir empfohlen, Mamsell. Sie soll was gelernt haben und sonst auch zu leben wissen—Nun ja. Ich will's glauben—auch nähm' ich die ganze Welt nicht, einen so warmen Fürsprecher Lügen zu strafen.
Luise. Doch kenn' ich Niemand, Milady, der sich Mühe gäbe, mir eine
Patronin zu suchen.
Lady (geschraubt). Mühe um die Clientin oder Patronin?
Luise. Das ist mir zu hoch, gnädige Frau.
Lady. Mehr Schelmerei, als diese offene Bildung vermuthen läßt!
Luise nennt sie sich? Und wie jung, wenn man fragen darf?
Luise. Sechzehn gewesen.
Lady (steht rasch auf). Nun ist's heraus! Sechzehn Jahre! Der erste Puls dieser Leidenschaft!—Auf dem unberührten Clavier der erste einweihende Silberton—Nichts ist verführender—Setz dich, ich bin dir gut, liebes Mädchen—Und auch er liebt zum ersten Mal—Was Wunder, wenn sich die Strahlen eines Morgenroths finden? (Sehr freundlich und ihre Hand ergreifend.) Es bleibt dabei, ich will dein Glück machen, Liebe—Nichts, nichts als die süße, frühe verfliegende Träumerei. (Luisen auf die Wange klopfend.) Meine Sophie heirathet. Du sollst ihre Stelle haben—Sechzehn Jahr! Es kann nicht von Dauer sein.