Luise (küßt ihr ehrerbietig die Hand). Ich danke für diese Gnade,
Milady, als wenn ich sie annehmen dürfte.

Lady (in Entrüstung zurückfallend). Man sehe die große Dame!—Sonst wissen sich Jungfern Ihrer Herkunft noch glücklich, wenn sie Herrschaften finden—Wo will denn Sie hinaus, meine Kostbare? Sind diese Finger zur Arbeit zu niedlich? Ist es Ihr Bischen Gesicht, worauf Sie so trotzig thut?

Luise. Mein Gesicht, gnädige Frau, gehört mir so wenig, als meine
Herkunft.

Lady. Oder glaubt Sie vielleicht, das werde nimmer ein Ende nehmen?—Armes Geschöpf, wer dir das in den Kopf setzte—mag er sein, wer er will—er hat euch Beide zum Besten gehabt. Diese Wangen sind nicht im Feuer vergoldet. Was dir dein Spiegel für massiv und ewig verkauft, ist nur ein dünner, angeflogener Goldschaum, der deinem Anbeter über kurz oder lang in der Hand bleiben muß—Was werden wir dann machen?

Luise. Den Anbeter bedauern, Milady, der einen Demant kaufte, weil er in Gold schien gefaßt zu sein.

Lady (ohne darauf achten zu wollen). Ein Mädchen von Ihren Jahren hat immer zween Spiegel zugleich, den wahren und ihren Bewunderer—die gefällige Geschmeidigkeit des letztern macht die rauhe Offenherzigkeit des erstern wieder gut. Der eine rügt eine häßliche Blatternarbe. Weit gefehlt, sagt der andere, es ist ein Grübchen der Grazien. Ihr guten Kinder glaubt jenem nur, was euch dieser gesagt hat, hüpft von einem zum andern, bis ihr zuletzt die Aussagen beider verwechselt—Warum begaffen Sie mich so?

Luise. Verzeihen Sie, gnädige Frau—Ich war so eben im Begriff, diesen prächtig blitzenden Rubin zu beweinen, der es nicht wissen muß, daß seine Besitzerin so scharf wider Eitelkeit eifert.

Lady (erröthend). Keinen Seitensprung, Lose!—Wenn es nicht die
Promessen Ihrer Gestalt sind, was in der Welt könnte Sie abhalten,
einen Stand zu erwählen, der der einzige ist, wo Sie Manieren und
Welt lernen kann, der einzige ist, wo Sie sich Ihrer bürgerlichen
Vorurtheile entledigen kann?

Luise. Auch meiner bürgerlichen Unschuld, Milady?

Lady. Läppischer Einwurf! Der ausgelassenste Bube ist zu verzagt, uns etwas Beschimpfendes zuzumuthen, wenn wir ihm nicht selbst ermunternd entgegen gehn. Zeige Sie, wer Sie ist. Gebe Sie sich Ehre und Würde, und ich sage Ihrer Jugend für alle Versuchung gut.