Ferdinand. Schon?—Über euch Weiber und das ewige Räthsel! Die
zärtliche Nerve hält Freveln fest, die die Menschheit an ihren
Wurzeln zernagen; ein elender Gran Arsenik wirft sie um-Luise. Gift!
Gift! O mein Herrgott!
Ferdinand. So fürchte ich. Deine Limonade war in der Hölle gewürzt.
Du hast sie dem Tod zugetrunken.
Luise. Sterben! Sterben! Gott Allbarmherziger! Gift in der
Limonade und sterben!—O meiner Seele erbarme dich, Gott der Erbarmer!
Ferdinand. Das ist die Hauptsache. Ich bitt' ihn auch darum.
Luise. Und meine Mutter—mein Vater—Heiland der Welt! Mein armer, verlorener Vater! Ist keine Rettung mehr? Mein junges Leben, und keine Rettung! Und muß ich jetzt schon dahin?
Ferdinand. Keine Rettung, mußt jetzt schon dahin—aber sei ruhig.
Wir machen die Reise zusammen.
Luise. Ferdinand, auch du! Gift, Ferdinand! Von dir! O Gott, vergiß es ihm—Gott der Gnade, nimm die Sünde von ihm-Ferdinand. Sieh du nach deinen Rechnungen—Ich fürchte, sie stehen übel.
Luise. Ferdinand! Ferdinand!—O—Nun kann ich nicht mehr schweigen—Der Tod—der Tod hebt alle Eide auf—Ferdinand!—Himmel und Erde hat nichts Unglückseligeres als dich!—Ich sterbe unschuldig, Ferdinand.
Ferdinand (erschrocken). Was sagt sie da?—Eine Lüge pflegt man doch sonst nicht auf diese Reise zu nehmen?
Luise. Ich lüge nicht—lüge nicht—hab' nur einmal gelogen mein
Lebenlang—Huh! wie das eiskalt durch meine Adern schauert—als ich
den Brief schrieb an den Hofmarschall-Ferdinand. Ha! Dieser Brief!
—Gottlob! Jetzt hab' ich all meine Mannheit wieder.