Luise (ihre Zunge wird schwerer, ihre Finger fangen an gichterisch zu zucken). Dieser Brief—Fasse dich, ein entsetzliches Wort zu hören—Meine Hand schrieb, was mein Herz verdammte—dein Vater hat ihn dictiert.
Ferdinand (starr und einer Bildsäule gleich, in langer todter Pause hingewurzelt, fällt endlich wie von einem Donnerschlag nieder).
Luise. O des kläglichen Mißverstands—Ferdinand—man zwang mich—vergib—deine Luise hätte den Tod vorgezogen—aber mein Vater—die Gefahr—sie machten es listig.
Ferdinand (schrecklich emporgeworfen). Gelobet sei Gott! noch spür' und das Gift nicht. (Er reißt den Degen heraus.)
Luise (von Schwäche zu Schwäche sinkend). Weh! Was beginnst du? Es ist dein Vater-Ferdinand (im Ausdruck der unbändigsten Wuth). Mörder und Mördervater!—Mit muß er, daß der Richter der Welt nur gegen den Schuldigen rase. (Will hinaus.)
Luise. Sterbend vergab mein Erlöser—Heil über dich und ihn (Sie stirbt.)
Ferdinand (kehrt schnell um, wird ihre letzte sterbende Bewegung gewahr und fällt in Schmerz aufgelöst vor der Todten nieder). Halt! Halt! Entspringe mir nicht, Engel des Himmels! (Er faßt ihre Hand an und läßt sie schnell wie fallen.) Kalt, kalt und feucht! Ihre Seele ist dahin. (Er springt wieder auf.) Gott meiner Luise! Gnade! Gnade dem verruchtesten der Mörder! Es war ihr letztes Gebet!—Wie reizend und schön auch ihr Leichnam! Der gerührte Würger ging schonend über diese freundlichen Wangen hin—Diese Sanftmuth war keine Larve, sie hat auch dem Tod Stand gehalten. (Nach einer Pause.) Aber wie? Warum fühl' ich nichts? Will die Kraft meiner Jugend mich retten? Undankbare Mühe! Das ist meine Meinung nicht. (Er greift nach dem Glase.)
Letzte Scene.
Ferdinand. Der Präsident. Wurm und Bediente, welche alle voll
Schrecken ins Zimmer stürzen, darauf Miller mit Volk und
Gerichtsdienern, welche sich im Hintergrund sammeln.
Präsident (den Brief in der Hand). Sohn, was ist das?—Ich will doch nimmermehr glauben-Ferdinand (wirft ihm das Glas vor die Füße). So sieh, Mörder!