Kalaf (nachdem er eine Zeitlang nachdenkend in die Höhe gesehen,
verbeug sich gegen die Prinzessin).
Zu glücklich, Königin, ist Euer Sklav,
Wenn keine dunklern Räthsel auf ihn warten.
Dieser alte Baum, der immer sich erneut,
Auf dem die Menschen wachsen und verblühen,
Und dessen Blätter auf der einen Seite
Die Sonne suchen, auf der andern fliehen,
In dessen Rinde sich so mancher Name schreibt,
Der nur, so lang sie grün ist, bleibt.
—Er ist—das Jahr mit seinen Tagen und Nächten.
Pantalon (freudig).
Tartaglia! Getroffen!
Tartaglia. Auf ein Haar!
Doctoren (erbrechen ihre Zettel).
Optime! Optime! Optime! das Jahr, das
Jahr, das Jahr! Es ist das Jahr. (Musik fällt ein.)
Altoum (freudig). Der Götter Gnade sei mit dir, mein Sohn,
Und helfe dir auch durch die andern Räthsel!
Zelima (bei Seite).
O Himmel, schütz' ihn!
Adelma (gegen die Zuschauer). Himmel, schütz' ihn nicht!
Laß nicht geschehn, daß ihn die Grausame
Gewinne, und die Liebende verliere!
Turandot (entrüstet, für sich).
Er sollte siegen? Mir den Ruhm entreißen?
Nein, bei den Göttern! (Zu Kalaf.) Selbstzufriedner Thor!
Frohlocke nicht zu früh! Merk' auf und löse!
(Steht wieder auf und fährt in declamatorischem Tone fort.)
Kennst du das Bild auf zartem Grunde?
Es gibt sich selber Licht und Glanz.
Ein andres ist's zu jeder Stunde,
Und immer ist es frisch und ganz.
Im engsten Raum ist's ausgeführt,
Der kleinste Rahmen faßt es ein;
Doch alle Größe, die dich rühret,
kennst du durch dieses Bild allein.