Altoum. Prinz, Ihr beharrt noch?

Kalaf. Sire! ich wiederhol' es:
Tod oder Turandot! (Pantalon und Tartaglia geberden sich ungeduldig.)

Altoum. So lese man
Das blutige Mandat. Er hör's und zittre!

(Tartaglia nimmt das Gesetzbuch aus dem Busen, küßt es, legt es sich auf die Brust, hernach auf die Stirn, dann überreicht er's dem Pantalon.)

Pantalon (empfängt das Gesetzbuch, nachdem er sich mit der Stirn
auf die Erde geworfen, steht auf und liest dann mit lauter Stimme.)
"Es kann sich jeder Prinz um Turandot bewerben,
"Doch erst drei Räthsel legt die Königin ihm vor.
"Löst er sie nicht, muß er vom Beile sterben,
"Und schaugetragen wird sein Haupt auf Peckins Thor.
"Löst er die Räthsel auf hat er die Braut gewonnen.
"So lautet das Gesetz. Wir schwören's bei der Sonnen."

(Nach geendigter Vorlesung küßt er das Buch, legt es sich auf die Brust und Stirn und überreicht es dem Tartaglia, der sich mit der Stirn auf die Erde wirft, es empfängt und dem Altoum präsentiert.)

Altoum (hebt die rechte Hand empor und legt sie auf das Buch).
O Blutgesetz! du meine Qual und Pein!
Ich schwör's bei Fohis Haupt, du sollst vollzogen sein.

(Tartaglia steckt das Buch wieder in den Busen, es herrscht eine lange Stille.)

Turandot (in declamatorischem Ton, aufstehend).
Der Baum, auf dem die Kinder
Der Sterblichen verblühn,
Steinalt, nichts desto minder
Stets wieder jung und grün;
Er kehrt auf einer Seite
Die Blätter zu dem Licht;
Doch kohlschwarz ist die zweite
Und sieht die Sonne nicht.

Er setzet neue Ringe,
So oft er blühet, an.
Das Alter aller Dinge
Zeigt er den Menschen an.
In seine grüne Rinden
Drückt sich ein Name leicht,
Der nicht mehr ist zu finden,
Wenn sie verdorrt und bleicht.
So sprich, kannst du's ergründen,
Was diesem Baume gleicht? (Sie setzt sich wieder).